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Neue Leuchttürme in der digitalen Flut

medien impuls zum Nachholbedarf für Jugendschutz und Medienbildung

Pressemitteilung vom 11.05.2015

Heimlich streamen Minderjährige aus dem Unterricht live ins Netz – ein Beispiel dafür, dass Schüler oft bedeutend mehr Ahnung vom Umgang mit neuer Medientechnik haben als ihre Lehrer. Deren Fortbildung kann mit der immer schnelleren Entwicklung kaum Schritt halten. Jugendschutz und Medienbildung sehen sich zunehmend „von der Realität überholt“, wie die Berliner Fachtagung medien impuls von FSM und FSF als Ausgangslage konstatierte.


Doch einige Stunden lebhafter Fachdiskussion, moderiert von Miriam Janke, verwandelten drohende Resignation in positive Aufbruchsstimmung. „Der Schritt nach vorne ist gelungen“, zog FSM-Geschäftsführer Otto Vollmers als Fazit: Statt immer wieder nur die Entwicklung von „Medienkompetenz“ und Verbote zu fordern, müsse das System Jugendschutz beschleunigt werden, um schnell zu Ergebnissen zu kommen.

FSF-Geschäftsführer Professor Joachim von Gottberg warnte vor dem weit verbreiteten Irrtum, „Medienbildung als eine Art Impfung“ misszuverstehen, die junge Menschen dauerhaft stark genug und immun gegen Schädigungen aller Art mache.

Sie sollten vielmehr „die Medien nicht als Bedrohung, als Spiel mit dem Feuer sehen, sondern als Teil ihrer Lebenswirklichkeit“, sagte Sebastian Gutknecht, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz in Nordrhein-Westfalen. Andreas Büsch, Professor für Medienpädagogik und Kommunikationswissenschaft der Katholischen Hochschule Mainz, betrachtet es als „Querschnittsaufgabe aller Bildungsbereiche Kinder und Jugendliche stark zu machen, um sich nicht auszuliefern.“

„Man kann Jugendliche im klassischen Sinn nicht mehr vor bestimmten Inhalten schützen“, erkennt Claudia Mikat, Leiterin der FSF-Programmprüfung und hauptamtliche Vorsitzende in den Prüfausschüssen. Man könne und müsse sie jedoch befähigen, „selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen“. Weniger Theorie und mehr Mut, einfach aktiv etwas zu tun, fordert die Redakteurin der Non-Profit-Online-Initiative MESH Collective Franziska von Kempis. Sie vermisst vor allem „eine Toolbox“, um die in Online-Medien zunehmend verschwimmenden Grenzen zwischen Meinung und Tatsachen klar zu definieren. Hingegen hat sich als Mittel der Medienpädagogik in den Augen des Grimme-Instituts-Projektleiters Lars Gräßer die Ausschreibung von Wettbewerben „überlebt“. Für ihn ist „YouTube die moderne Volkshochschule. Da findet peer education statt, da bringen sich Jugendliche tatsächlich gegenseitig etwas bei“.

Der 18-jährige aktive YouTuber Fabian Nolte (Dailyknoedel) bestätigt, dass alles, was spontan und ungeplant aussieht, oft funktioniert. Ihn stören aber Online-Verkaufsveranstaltungen, Fankult und Sexismus, der sich vor allem gegen Frauen richtet. Wolfgang Macht, Mitbegründer und Vorstand der inzwischen internationalen Netzpiloten AG, beobachtet „ein aggressives Wachstum neuer Internet-Geschäftsmodelle“ vor allem im amerikanischen Silicon Valley, „bis sie jemand bremst“. Keiner gehe dort von sich aus zu einer Regelungsinstitution wie der FSM, um die Grenzen des Zulässigen auszuloten und sich in seinem Expansionsdrang bremsen zu lassen. Zurzeit fühlt Macht sich selbst und den überwiegenden Teil der Gesellschaft durch die „absoluten Fülle“ von Diensten, deren Zahl rasant wachse, in einem „sehr gestressten Stadium“. Vollmers kritisierte hier die weit verbreitete Neigung, alles Neue zuerst einmal grundsätzlich abzulehnen und regt an Abneigungen schneller zu überwinden, um mit den Dingen umgehen zu können: „Das dauert oft so lange, dass es dann zu spät für sinnvolle Regelungen ist.“ Als Orientierung für die Zukunft in der digitalen Flut setzte dieser medien impuls neue Leuchttürme.

Dokumentationen zur Veranstaltung mit Fotos, Videos und eine Zusammenfassung der Podiumsdiskussion finden Sie unter www.fsm.de und www.fsf.de.

 

Über die FSF  
Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e.V. (FSF) ist die anerkannte Selbstkontrolleinrichtung der privaten Fernsehanbieter. Kern ihrer Arbeit ist die Prüfung von Sendungen unter Jugendschutzgesichtspunkten vor der Ausstrahlung. Darüber hinaus fördert sie den wissenschaftlichen Diskurs über Medienwirkungen und erstellt neben inhaltlichen Fachpublikationen zahlreiche Materialien für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit.

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