International

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Regelungen zum Jugendmedienschutz gibt es nahezu überall. Allerdings unterscheiden sich die gesetzlichen Voraussetzungen, die Organisationsformen und die Zuordnung der Altersgruppen erheblich.

An dieser Stelle kann nur ein kleiner Blick auf die Situation in anderen Ländern geboten werden, und der Fokus liegt dabei auf den Altersfreigaben für Kinofilme.

Einstellung gegenüber Zensur

Eine wesentliche Rolle beim Umgang mit Regelungen im Jugendmedienschutz spielt sicher die unterschiedlich hohe, historisch bedingte Sensibilität gegenüber dem Zensurbegriff. So verbietet das deutsche Grundgesetz vor dem Hintergrund der Gleichschaltung von Staat und Medien während der Zeit des Nationalsozialismus jede Form von Vorzensur.

In Spanien ist man aufgrund der staatlichen Zensur während der Franco-Diktatur ebenfalls sehr sensibel, wenn es um gesetzliche Einschränkungen der Medienfreiheit geht. Dort gibt es zwar eine Pflicht zur Altersklassifizierung, diese dient aber lediglich zur Orientierung für Eltern oder Jugendliche und besitzt keinen rechtlich verbindlichen Charakter. Nur für besonders gewalthaltige oder pornografische Filme kann eine Beschränkung auf Erwachsene ausgesprochen werden. 

Im Nachbarland Frankreich ist man bezüglich der staatlichen Einflussnahme weniger empfindlich. Dort müssen per Gesetz alle Kinofilme einer Kommission vorgelegt werden, die im Auftrag und unter der Aufsicht des Kulturministeriums die Altersfreigaben erteilt. Trotz dieser strikten Vorlagepflicht ist das französische Mediensystem sehr liberal, denn es gilt der Grundsatz, dass Filme frei zugänglich sein sollen. In diesem Sinne wird selbst eine Freigabe ab 12 Jahren bereits als Restriktion verstanden. Entsprechend werden über 90% aller Kinospielfilme ohne Altersbeschränkung freigegeben. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur 24%.

In den Niederlanden wiederum gibt es für alle klassischen Medien eine Kennzeichnungspflicht. Die Altersfreigaben werden hier von den Anbietern selbst vergeben. Ein zentrales Institut (NICAM) begleitet und moderiert das System. Nur bei Beschwerden wird ein Ausschuss tätig.

Kulturelle Wertvorstellungen und Vertrauen in die Jugend

Unterschiede gibt es auch hinsichtlich der Entwicklung der Kriterien, mit denen die Freigaben begründet werden. In den meisten Ländern geht es darum, innerhalb des Freigabeprozesses (in der Regel durch Ausschüsse) gleichzeitig eine Art "gesellschaftlichen Wertekonsens" weiterzuentwickeln. Dieser dient wiederum als Maßstab für die Altersfreigaben. So entstehen in den Prüfprozessen sukzessive weitere Kriterien. 

Für Medien, die als jugendgefährdend eingestuft werden, wird oft eine allgemeine Vertriebsbeschränkung festgelegt. In Deutschland soll nach dem Gesetz innerhalb der Prüfungen eine Prognose angestellt werden, ob die jeweiligen Medieninhalte geeignet sind, die Entwicklung des jungen Menschen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen oder zu gefährden.

Mediale Volljährigkeit

Die unterschiedlichen Regulierungen spiegeln auch kulturelle Unterschiede bezüglich der Annahme, in welchem Alter Kinder und Jugendliche welche Medieninhalte verstehen können. Während Deutschland, Großbritannien und Finnland erst mit dem 18. Lebensjahr eine mediale Volljährigkeit definieren, liegt die oberste Altersgrenze in den meisten Ländern bei 16 Jahren, in Schweden und Dänemark bei 15 Jahren. In Belgien gibt es nur eine generelle Freigabe für alle Altersgruppen oder eine Beschränkung für unter 16-Jährige. Neben den Jugendschutzbestimmungen gibt es in den meisten europäischen Ländern zusätzliche strafrechtliche Beschränkungen für Pornografie. In einigen Ländern gelten derartige Beschränkungen auch für Gewaltverherrlichung.

Kulturspezifischer Umgang mit Sexualität und Gewalt in den Medien 

Auch die kulturellen Zugänge zu Sexualität oder Gewalt finden sich in den Freigabekriterien der Länder wieder. In Schweden und Dänemark steht die Ablehnung von physischer Gewalt als Mittel der Konfliktlösung im Vordergrund des Jugendschutzes. Bezüglich der Darstellung von Sexualität ist man dagegen sehr großzügig. Je nach Kontext können z.B. Geschlechtsteile durchaus im Fernsehprogramm gezeigt werden. Wird Sexualität aber erzwungen, ist die Grenze zur reglementierten Pornografie überschritten. Dabei ist es weitgehend unerheblich, wie explizit die Darstellungen des Geschlechtlichen sind.