Das Internet als Kriterienkatalog – eine medienpädagogische Herausforderung

medien impuls am 8. November 2011

Ob Information oder Unterhaltung, das Internet bietet eine scheinbar unerschöpfliche Fülle von Angeboten und Inhalten. Sie bedienen die vielfältigen Interessen der Nutzer. Kaum eine Frage bleibt offen, kaum ein Wunsch unerfüllt. Ob Nachrichten, wissenschaftliche Publikationen, Communitys, Musik oder Spiele: Im Internet stehen die verschiedensten Inhalte nebeneinander und gehen bisweilen auch ineinander über.

Der Jugendmedienschutz wird dabei vor immer neue Herausforderungen gestellt. Es gilt, für eine derartig heterogene Medienrealität Methoden zu finden, um die Inhalte zu bewerten und zu kategorisieren. Diese Last liegt vor allem auf den Schultern der vielen Prüferinnen und Prüfer, die in den Institutionen des Jugendschutzes arbeiten: Sie müssen sich in ihrer Arbeit detailliert mit den einzelnen Inhalten auseinandersetzen und sie hinsichtlich ihrer Eignung für Kinder und Jugendliche verschiedener Altersstufen bewerten. Um diese schwierige Aufgabe zu bewältigen, kommen sie häufig in Prüfgruppen, Gutachterkommissionen oder Beschwerdeausschüssen zusammen, um sich auszutauschen und gemeinsam eine Entscheidung zu treffen. Dabei wird nicht selten sehr kontrovers diskutiert. Doch nicht zuletzt aufgrund der immensen Fülle von Internetangeboten müssen sich Jugendschützer zunehmend mit der Frage auseinandersetzen, ob es nicht effektivere und zukunftsfähigere Wege gäbe. Eine reine Vorabkontrolle, wie es bei den klassischen Medienformen geschieht, ist für das Internet nicht umsetzbar und gerade aufgrund der Menge der Inhalte auch nicht gesetzlich vorgesehen. Neue Ansätze werden derzeit kontrovers diskutiert. Während die einen eine Bewertung von Internetinhalten auf der Grundlage eines standardisierten Kriterienkatalogs für nicht seriös erachten, sehen andere in den Prüfverfahren in Gruppen eine veraltete, unter heutigen Bedingungen nicht mehr praktikable Vorgehensweise.

Die Tagung hat sich am 8. November 2011 mit der Frage beschäftigt, wie die Prüfmechanismen der Zukunft aussehen könnten. Diskussionsgrundlage waren dabei die Kriterien, anhand derer in einzelnen Einrichtungen (konkret FSM, FSF und jugendschutz.net) geprüft wird, und deren Praktikabilität.

Begrüßung

Harald Geywitz ist Leiter des Berliner Büros der E-Plus-Gruppe und stellvertretender Vorsitzender des FSM-Vorstandes. Nach dem Studium der Verwaltungs- und Politikwissenschaft in Konstanz und Potsdam war er zunächst im Europäischen Parlament in Brüssel tätig. Vor seiner Tätigkeit für die E-Plus-Gruppe verantwortete Geywitz den Bereich Public Affairs bei AOL Deutschland und leitete lange Jahre das Hauptstadtbüro des VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten).

 

Die Prüfpraxis der FSM – Welche Kriterien werden angewendet?

Martin Drechsler ist Referent für Jugendmedienschutzrecht bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM). Er studierte Rechtswissenschaften in Berlin und Hagen. Nach dem Referendariat war er zunächst als Rechtsanwalt tätig. Seit 2008 ist er bei der FSM für die Bereiche Jugendschutzprogramme und Teletext zuständig.

Neue Inhalte, neue Herausforderungen für die Prüfpraxis – Wie werden Bewertungskriterien entwickelt?

Hjördis Lademann ist Leiterin des Bereichs "Sexueller Missbrauch, Pornografie, Gewalt und Selbstgefährdung" bei jugendschutz.net. Sie studierte Rechtswissenschaften in Halle a.d. Saale, Mainz und Valencia. Vor ihrer Tätigkeit bei jugendschutz.net war sie als Rechtsanwältin tätig.

Jugendmedienschutz zwischen Anspruch und Realität Wie kann die Umsetzung in der Praxis gelingen?

Podiumsgespräch mit Joachim von Gottberg (Moderation), Otto Vollmers, Claudia Mikat, Hjördis Lademann und Klaus Jahn (v.l.n.r.)

Prof. Joachim von Gottberg studierte Germanistik und Theologie (Lehramt). Nach journalistischer Tätigkeit baute er in Hannover die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen auf und beschäftigte sich neben Suchtprävention und Jugendkriminalität mit der Wirkung von Medien. Ab 1985 war er als Ländervertreter bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) tätig, bis er 1994 die Geschäftsführung der FSF übernahm. Er ist Chefredakteur der Fachzeitschrift tv diskurs, die von der FSF herausgegeben wird. Seit Dezember 1999 ist von Gottberg Vizepräsident des Deutschen Kinderhilfswerks und seit April 2006 Honorarprofessor für das Fach Medienethik/Medienpädagogik der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg.

Otto Vollmers ist seit Oktober 2011 Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM). Er studierte Rechtswissenschaften in Marburg, Paris und Wellington. Nach der Beschäftigung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Marburg absolvierte er das Rechtsreferendariat in Berlin. Von 2006 bis 2011 war er als juristischer Referent der FSM für Fragen des Jugendmedienschutzes tätig.

Claudia Mikat ist Leiterin der FSF-Programmprüfung und hauptamtliche Vorsitzende in den Prüfausschüssen. Sie studierte Erziehungswissenschaften/ Freizeit- und Medienpädagogik an der Universität Göttingen und arbeitete als freiberufliche Medienpädagogin in der Kinder- und Jugendarbeit und als Dozentin in der Erwachsenenbildung. Von 1994 bis 2001 leitete sie die Geschäftsstelle der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) in Berlin und nahm regelmäßig Lehraufträge für Medienpädagogik wahr, u.a. an der Freien Universität Berlin und an der Gesamthochschule Kassel. 

Klaus Jahn ist seit 2007 Jugendschutzbeauftragter bei Discovery Communications Deutschland. Nach seinem Philosophiestudium in Bonn u. München arbeitete er als freier Mitarbeiter bei TaurusFilm in München und als Redakteur und Executive Producer beim Discovery Channel.