Bildung durch Unterhaltungsmedien

Alltagsrelevante Orientierungshilfe in einer beschleunigten Welt

medien impuls am 12. Juni 2013

Eine am Bildungsbürgertum orientierte Gesellschaft kann nur entsetzt auf das reagieren, was Fernsehen und Internet an Informationen, Vorbildern und Lebensmodellen anbieten. Klassische Bildungsangebote, Kultur oder politische Themen sind selbst bei öffentlich-rechtlichen Sendern nur noch im Nachtprogramm oder ausgelagert auf den digitalen Kanälen zu finden. Der Schwerpunkt liegt in der Unterhaltung. Kulturpessimisten wie der medienkritische Neurologe Manfred Spitzer warnen: Medienkonsum mache „dick, dumm und gewalttätig“. Wer aber Medienaskese übt, droht angesichts der Beschleunigung von Medien, Technik und Popkultur ausgegrenzt zu werden.

Nie zuvor war das Wissen von heute so schnell überholt. Nur wer über eine gute Ausbildung verfügt, hat in unserer Gesellschaft beruflich eine gute Chance. Ist also die Vorstellung eines Bildungskanons überholt? Ist es nicht wichtiger, dass Menschen lernen, selbstbestimmt eine Auswahl zu treffen, eigenständig zu bewerten und sich das Wissen anzueignen, was für ihre private und berufliche Lebenssituation relevant ist? Für eine eher formale oder „strukturelle Bildung“ bieten auch Unterhaltungsmedien Reflexionsangebote, indem sie Verhaltensweisen und Lebensumstände anderer Menschen, Kulturen oder Religionen erfahrbar machen und so eine Art Fenster zur Welt darstellen.

Was bedeutet in diesem Kontext Medienbildung oder Medienpädagogik? Und welche Rolle spielen die tradierten Jugendschutzinstrumentarien noch, die auch nach einer ständigen Anpassung an die sich ständig verändernde Medienwelt suchen müssen?

Immer mehr, immer schneller und überall – Was in der medialen Informationsflut wichtig ist

Prof. Joachim von Gottberg studierte Germanistik und Theologie (Lehramt). Nach journalistischer Tätigkeit baute er in Hannover die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen auf und beschäftigte sich neben Suchtprävention und Jugendkriminalität mit der Wirkung von Medien. Ab 1985 war er als Ländervertreter bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) tätig, bis er 1994 die Geschäftsführung der FSF übernahm. Er ist Chefredakteur der Fachzeitschrift tv diskurs. Seit Dezember 1999 ist von Gottberg Vizepräsident des Deutschen Kinderhilfswerks und seit April 2006 Honorarprofessor für das Fach Medienethik/Medienpädagogik an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg.

Identität und Bildung in modernen Gesellschaften

Dr. Nils Köbel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaft der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Er studierte und promovierte im Fach Soziologie in Frankfurt a.M. Neben einem Lehrauftrag an der Justus-Liebig Universität Gießen war er nachfolgend auch wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität zu Köln im Institut für Bildungsphilosophie, Anthropologie und Pädagogik der Lebensspanne.

Vortrag als PDF und als Audiobeitrag

Schützen oder Bilden – ein Widerspruch? Neue Herausforderungen für Medienbildung im Kontext von Kindheit und Jugend

Prof. Dr. Nadia Kutscher ist Professorin für Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen. Sie studierte Sozialarbeit/Sozialpädagogik an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München und Pädagogik an der Universität Bielefeld, wo sie im Jahr 2002 promovierte. Vor ihrem Wechsel an die Katholische Hochschule war sie als Bundesleiterin der Katholischen Studierenden Jugend, als Jugendbildungsreferentin im Hedwig-Dransfeld-Haus in Bendorf sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektkoordinatorin am Kompetenzzentrum Informelle Bildung an der Universität Bielefeld tätig. Zuletzt war sie u.a. Mitglied der Sachverständigenkommission für den 14. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung.

Vortrag als PDF und als Audiobeitrag

Strukturelle Bildung statt klassischem Ideal – Was Medienpädagogik in der aktuellen Medienwelt leisten kann

Dr. Benjamin Jörissen ist Akademischer Rat am Institut für Pädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Nach seinem Studium der Erziehungswissenschaft und Philosophie war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin und an der Universität Magdeburg tätig. An der Universität der Bundeswehr München vertrat er ein Jahr lang die Professur für Angewandte Medienwissenschaft. Er forscht, lehrt und publiziert zur Theorie der Medienbildung, zur erziehungswissenschaftlichen Medienforschung sowie zu Themen Allgemeiner Pädagogik (insbesondere Pädagogische Anthropologie und Kulturelle Bildung).

Vortrag als PDF und als Audiobeitrag

Agenda 2020 – Pädagogik in einer medialisierten Welt

Podiumsdiskussion mit Leopold Grün (FSF), Dr. Klaus Blaudzun (Landesarbeitsgemeinschaft Medien Mecklenburg-Vorpommern, Otto Vollmers (FSM), Niels Brüggen (JFF), Dr. Ida Pöttinger (GMK)

Moderation: Tanja Samrotzki
 

Leopold Grün ist seit 1996 als Medienpädagoge bei der FSF tätig. Ursprünglich arbeitete er als Grundschullehrer in der DDR und absolvierte anschließend ein Studium der Sozial- und Medienpädagogik in München. An der Humboldt-Universität Berlin studierte er Sozial- und Politikwissenschaften und schloss 2001 an der TU Berlin als Diplom-Medienberater ab. Seit 2004 ist er ebenfalls freier Filmemacher.

Dr. Klaus Blaudzun ist Leiter des Instituts für neue Medien gGmbH Rostock. Er leitet u.a. das Jugend-Filmfestival FiSH in Rostock

Otto Vollmers ist seit Oktober 2011 Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM). Er studierte Rechtswissenschaften in Marburg, Paris und Wellington. Nach der Beschäftigung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Marburg absolvierte er das Rechtsreferendariat in Berlin. Von 2006 bis 2011 war er als juristischer Referent der FSM für Fragen des Jugendmedienschutzes tätig.

Niels Brüggen hat Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Informatik und Erziehungswissenschaft an der Universität Leipzig und der Dublin City University studiert. Seit Januar 2007 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Seine Forschungsschwerpunkte sind Medienpädagogische Evaluationsforschung, Medienaneignungsforschung und Lernen mit digitalen Medien.

Dr. Ida Pöttinger arbeitet im Bereich Medienkompetenz Programm Forschung bei der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK). Nach Ihrem Studium der Pädagogik war Pöttinger u.a. Dozentin an den Pädagogischen Hochschulen in Freiburg und Ludwigsburg. Außerdem ist sie Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK).

Tanja Samrotzki ist seit 2011 freiberufliche Journalistin und Moderatorin. Davor arbeitete sie 12 Jahre als Parlamentskorrespondentin für N24/Sat.1 in Bonn und Berlin.