"Gefällt mir" – Jugendliche zwischen Netzphänomenen und Mitbestimmung

medien impuls am 11. November 2013

Gronkh, LeFloid und DieLochis; Harlem Shake, Planking und Cup Song; Twitch, Vine und Tumblr – Personen, Phänomene und Dienste, die die Medienwelt von Jugendlichen ausmachen, von denen aber die meisten Erwachsenen wahrscheinlich noch nie gehört haben. Egal, ob solche Netzphänomene sich als Eintagsfliege oder tragfähiges Konzept herausstellen: Immer geht es um Interaktion und Partizipation, die medial hergestellt wird. Denn Jugendliche sind keineswegs passive Mediennutzer, sondern setzen die medialen Möglichkeiten sehr bewusst und kreativ ein, um sie für ihre Zwecke zu nutzen. Eigens produzierte Medienformate – oft mit einer ganz spezifischen ästhetischen Prägung – sind dementsprechend nicht nur Ausdruck von Jugendkulturen, sondern immer auch Gradmesser für ihre Sichtweise auf die Gesellschaft.

Was bedeutet es, wenn Jugendliche beim Fernsehen mit anderen das Verhalten der Protagonisten bewerten und sich darüber austauschen, wen sie sympathisch finden oder wen sie nicht leiden können? Wie nachhaltig wirkt das und welchen Einfluss hat diese massenhafte Peer-to-Peer-Kommuni­kation auf die Entwicklung der Gesellschaft? Es stellt sich die Frage, welcher Grad an Entscheidungsgewalt mit diesen Beteiligungsformen einhergeht. Wie viel Partizipation von Jugendlichen lassen bestimmte Medien und Entscheidungsträger überhaupt zu? Diesen Fragen ging medien impuls am 28. November 2013 nach. Außerdem wurde darüber gesprochen, welche Chancen Beteiligungs- oder Peer-to-Peer-Ansätze für den Jugendschutz und seine gesellschaftliche Akzeptanz bieten.

Begrüßung

Prof. Joachim von Gottberg studierte Germanistik und Theologie (Lehramt). Nach journalistischer Tätigkeit baute er in Hannover die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen auf und beschäftigte sich neben Suchtprävention und Jugendkriminalität mit der Wirkung von Medien. Ab 1985 war er als Ländervertreter bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) tätig, bis er 1994 die Geschäftsführung der FSF übernahm. Er ist Chefredakteur der Fachzeitschrift tv diskurs. Seit Dezember 1999 ist von Gottberg Vizepräsident des Deutschen Kinderhilfswerks und seit April 2006 Honorarprofessor für das Fach Medienethik/Medienpädagogik an der Hochschule für Film und Fernsehen KONRAD WOLF in Potsdam-Babelsberg.

Learning by Doing – Jugendliche als Medienproduzenten

Markus Hündgen ist Geschäftsführer der European Web Video Academy GmbH. Er studierte Regionalwissenschaften (Japan) und Sozialwissenschaften und war zeitgleich freier Journalist. Nach seinem Volontariat bei der WAZ-Mediengruppe arbeitete er u.a. als Produzent, Autor, Videojournalist und Gesellschafter bei Blinkenlichten Produktionen (bis Mitte 2012). Neben den Tätigkeiten als Trainer und Dozent u.a. für die ard.zdf medienakademie und die Deutsche Journalistenschule war er auch Co-Gründer des Videocamp und des Deutschen Webvideopreises.

Beteiligungsformen unter medienkonvergenten Bedingungen

Dr. Ulrike Wagner ist Direktorin des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Sie studierte Kommunikationswissenschaft und Politologie an den Universitäten Salzburg und Pavia. Seit 2001 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin des JFF, seit 2009 leitet sie dort den Arbeitsbereich Forschung. Ihre Schwerpunkte sind der Umgang von Kindern und Jugendlichen mit digitalen Medien und Medienkonvergenz, Mediensozialisations- und Partizipationsforschung.

Vortrag als PDF

Digital ist besser – die vernetzte Generation

Matthias Rohrer studiert Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien. Seit 2008 ist Rohrer am Institut für Jugendkulturforschung tätig und verstärkt seit 2013 das Team im Department Hamburg. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Jugend und Medien, Jugend und Politik, Jugendkommunikation, Jugendkulturen und -szenen. Als Vorstandsmitglied und Geschäftsfüher der Jugendpresse Österreich – Netzwerk junger Medienschaffender agierte er von 2007 bis 2012, zudem ist er seit 2012 Mitglied im Beirat der European Youth Press e.V.

Vortrag als PDF

Mein Podcast und ich

Philipp Riederle ist Podcaster und betreibt das Unternehmen Phipz Media UG. Bekannt wurde er durch seinen Podcast Mein iPhone und Ich …, in dem er von seinen Erfahrungen mit dem Apple iPhone berichtet und Apps für dieses Gerät vorstellt. Inzwischen wird er als Vertreter der "Generation Y" zu Kongressen eingeladen, um über seine Ideen zum Umgang mit den heutigen Medien zu sprechen. Im Mai 2013 ist sein Buch Wer wir sind, und was wir wollen. Ein Digital Native erklärt seine Generation erschienen.

Beteiligung erwünscht? Gedanken zu einer Medienbildung von morgen

Franz Josef Röll ist Professor für Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit an der Hochschule Darmstadt mit den Schwerpunkten Neue Medien und Medienpädagogik. Nach seinem Studium der Soziologie sowie Außerschulische Pädagogik und Erwachsenenbildung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/M. arbeitete Röll 16 Jahre als Bildungsreferent beim Institut für Medienpädagogik und Kommunikation in Frankfurt. Als Mitherausgeber des Buches Web 2.0 Jugend online als pädagogische Herausforderung versucht Röll, die möglichen Konsequenzen für die Jugend- und Bildungsarbeit einzuschätzen, die mit den Neuen Medien und dem veränderten Lernen einhergehen.

Vortrag als PDF und bei YouTube

Jugendliche zwischen Netzphänomenen und Mitbestimmung

Podiumsdiskussion mit Markus Hündgen (Web Video Academy), Thomas Krüger (Bundeszentrale für politische Bildung), Philipp Riederle (Phipz Media UG), Matthias Rohrer (Institut für Jugendkulturforschung)

Moderation: Tanja Samrotzki

Mitschnitt der Podiumsdiskussion bei YouTube

Thomas Krüger ist Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Er studierte Theologie und war anschließend Vikar. Seine politische Karriere begann 1989 als eines der Gründungsmitglieder der Sozialdemokraten in der DDR (SDP). Bis 1990 blieb er deren Geschäftsführer in Berlin (Ost) und Mitglied der Volkskammer in der DDR. In der Zeit zwischen 1990 und 1991 bekleidete er die Ämter des Ersten Stellvertreters des Oberbürgermeisters und Stadtrat für Inneres beim Magistrat Berlin. Als Mitglied des Deutschen Bundestages war er in den Jahren 1994 bis 1998 aktiv. Seit 1995 ist Krüger u.a. auch Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes und seit 2003 Mitglied der Kommission für Jugendmedienschutz.

Tagungsmoderation

Tanja Samrotzki ist seit 2011 freiberufliche Journalistin und Moderatorin. Davor arbeitete sie 12 Jahre als Parlaments-Korrespondentin für N24/Sat.1 in Bonn und Berlin.