Fühlen, Denken, Handeln

Medial erzeugte Emotionen als Teil unserer Persönlichkeit

medien impuls am 23. September 2009

Medien können starke Gefühle erzeugen. Es macht uns traurig, wenn das sympathische Paar in einem Liebesfilm nicht zusammenkommt, und wir empfinden Glück, wenn sich beide zum Schluss doch finden. Es ist fast so, als würden wir es selbst erleben. Bei Horrorfilmen fürchten wir uns mit den Opfern, bei Actionfilmen fiebern wir mit dem Helden mit, und beim Dschungel-TV ekeln wir uns, wenn glitschige Würmer gegessen werden müssen. Im Internet unterhalten uns Videoportale, die Menschen in peinlichen Situationen zeigen. Die Erzeugung von Schock, Ekel, Angst, aber auch Schadenfreude durch mediale Darstellungen werden offensichtlich gewollt, denn sonst würde sich niemand der Konfrontation mit solchen Bildern aussetzen.

Das Erleben von Gefühlen ist einer der wichtigsten Gründe, warum wir Medien nutzen. Dabei kommt es nicht darauf an, dass nur positive Stimmungen erzeugt werden, sondern es geht um die Auslösung von Emotionen an sich, egal, ob wir sie mögen oder nicht. Wenn wir einen Film nach einigen Jahren zufällig zum zweiten Mal sehen, haben wir oft vergessen, wie sich die Geschichte entwickelt. An die Emotionen, die wir beim ersten Mal durchlebt haben, erinnern wir uns dagegen sofort. Manchmal kommen sogar Situationen ins Gedächtnis, die mit der damals realen Lebenssituation zusammen­hingen und mit dem Film nichts zu tun haben. Das spricht dafür, dass wir Emotionen länger behalten als die Fakten einer Geschichte.

Warum setzen wir uns freiwillig Gefühlen aus, die wir eigentlich als unangenehm wahrnehmen? Und welche Bedeutung haben negative Emotionen für die Persönlichkeitsentwicklung, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen? Beeinflussen die medial erzeugten Emotionen das, was wir aus den Medien lernen, oder sind es letztlich die Emotionen selbst, an die wir uns auch dann erinnern, wenn wir den Medieninhalt längst vergessen haben? Diese Fragen spielen bei den Bewertungen von Medienprodukten unter Jugendschutzgesichtspunkten eine große Rolle. Daher sollten bei unserer Veranstaltung am 23. September 2009 sowohl der theoretische Hintergrund aufgegriffen werden als auch konkrete Beispiele aus der Prüfpraxis diskutiert werden.

Begrüßung

Prof. Joachim von Gottberg ist Geschäftsführer der FSF und dort auch Chefredakteur der Zeitschrift tv diskurs. Außerdem ist er Vizepräsident des Deutschen Kinderhilfswerks und Honorarprofessor an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg im Studiengang AV Medienwissenschaft. Als Mitherausgeber ist er verantwortlich für zahlreiche Buchpublikationen zu den Themen Fernsehen, Kinderfilm und Jugendmedienschutz. Von Gottberg studierte Germanistik und Evangelische Theologie und war vor seiner Tätigkeit bei der FSF in der Zeit von 1985 bis 1994 Ständiger Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK).

Lernen durch Medien? Emotionen als Grundlage unseres Handelns

Dr. Frank Schwab studierte Psychologie in Saarbrücken, wo er auch promovierte. Seine Habilitationsschrift verfasste er zum Thema Lichtspiele - Eine Evolutionäre Medienpsychologie der Unterhaltung. Seine Interessen- und Forschungsschwerpunkte sind evolutionspsychologische Aspekte in Medien (emotionale Medienwirkung) und Organisationen, Systemische Ansätze der Organisationspsychologie, Multimedia und Hypertext, Kino, Unterhaltung. Derzeit ist er Akademischer Oberrat an der Fachrichtung Psychologie (Medien- und Organisationspsychologie) der Universität des Saarlandes.

Identifizieren oder Distanzieren. Meta-Emotionen im Zuschauerleben

Dr. Anne Bartsch studierte Medien- und Kommunikationswissenschaften, Germanistik und Romanistik und promovierte 2004 im Fach Medien- und Kommunikationswissenschaft zum Thema Emotionale Kommunikation - ein integratives Modell. Zurzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im DFG-Projekt "Emotionale Gratifikationen während der Medienrezeption". Sie publizierte zu emotionaler Kommunikation, Meta-Emotionen und emotionalen Gratifikationen. Dazu gehören die Sammelbände Audiovisuelle Emotionen und Medienrituale sowie ein Zeitschriftenband Medien und Emotionen.

Wer fühlen will, muss hören. Musik und die emotionale Wahrnehmung medialer Inhalte

Dr. Clemens Schwender studierte Germanistik, Philosophie, Psychologie und Medienwissenschaft. Er promovierte über die Geschichte der technischen Dokumentation und habilitierte über Medien und Emotionen. Seit 2008 ist er Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der University of Management and Communication in Potsdam (FH). Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören die emotionale Aufbereitung und Wirkung von Medieninhalten, Alter und Medien, Nachhaltigkeitskommunikation, die Mediengeschichte der Individual- und Massenmedien, speziell Feldpost und technische Dokumentation.

Podiumsdiskussion

Diskussion mit den Referenten und Claudia Mikat (Hauptamtliche Vorsitzende der Prüfausschüsse der FSF) anhand konkreter Beispiele.