Alles nur Spaß?

Humor als Wirkungselement in Fernsehen und Internet

medien impuls am 29. Januar 2010

Lachen steckt an, macht aber nicht krank, sondern gilt als gesund. Wenn man über etwas lachen kann, hat man dazu Distanz. Deshalb stehen gerade unangenehme Ereignisse oder unsympathische Personen im Zentrum von Witzen, Komödien oder Satire. Prominente wie Politiker oder auch Kirchenvertreter eignen sich erst dann als Thema für Kabarett und Satire, wenn man sie beim Vertuschen von politischen Fehlern, bei der Steuerhinterziehung ertappt oder Zweifel an ihrer intellektuellen oder moralischen Eignung für das Amt wachsen.

Der Humor erlaubt uns, Positionen gegenüber Themen zu artikulieren, die sich einem ernsthaften Gespräch verschließen. Besonders deutlich wird das bei dem sogenannten "dreckigen Witz", der meist tabuisierte Neigungen oder Verhaltensweisen aus dem Bereich der Sexualität zum Inhalt hat. Der Witz ist die erste Attacke auf ein Tabu. Umgekehrt können sich aber auch Tabus aufbauen, wenn man sich über Menschen lustig macht, die sich zwar nicht gesetzeswidrig, aber gegen einen sich gerade neu entwickelnden gesellschaftlichen Wert verhalten: rücksichtslose Umweltverschmutzer, schamlose Manager oder ausschließlich am persönlichen Profit orientierte Unternehmer. So können neue moralische Verhaltensregeln aufgebaut werden, denn Gegenstand der Satire zu werden, wird oft mehr gefürchtet, als eine kritische Kommentierung im Leitartikel der FAZ einstecken zu müssen.

Wie weit darf Humor gehen? Gibt es Themen, über die man sich nicht lustig machen darf? Die heftigen Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen haben gezeigt, wie stark religiöse Gefühle durch Humor verletzt werden können. In Deutschland hat vor einigen Jahren die Satiresendung Popetown, die sich über den Papst und den Vatikan lustig gemacht hat, zu einer heftigen Protestwelle geführt.

Im Jugendmedienschutz geht es häufig um die Frage, wo die Grenze zwischen noch erlaubter Veralberung, geschmacklosem Witz und einem unerlaubten, menschenverachtenden Angriff auf eine Person gezogen werden soll. Was bedeutet der Witz für die Wirkung? Entschärft es die Wirkung eines Actionfilms, wenn sich der Held mit zynischen Sprüchen über die Gegner, die er zu töten beabsichtigt, lustig macht? Oder wird dadurch die dargestellte Gewalt eher verharmlost, weil man sie besser ertragen kann? Am 29. Januar 2010 hat sich medien impuls in Vorträgen und einer Diskussion anhand von Filmbeispielen dem Thema angenommen und einen kleinen Einblick in den Facettenreichtum des Humors geboten.

Gute Gags. Ein Angriff auf gesellschaftliche Werte? Worüber wir lachen und warum

Thomas Hermanns ist nicht nur Moderator und Komiker, er ist auch Drehbuchautor, Regisseur und Gründer des populären Quatsch Comedy Clubs in Berlin. Er inszenierte unter anderem Zapped (1998), Back to Life (2000) und Paranoid (2004) für Michael Mittermeier, Was guckst du?! (2001) für Kaya Yanar sowie für Gayle Tufts und Cora Frost. Hermanns führte Regie bei den Musicalshows Grease und Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. Als Autor schrieb das Multitalent für Dirk Bach die Fernsehserie Lukas (1997-1999), verfasste das Skript für den Fernsehfilm Meine beste Freundin (2000) mit Mariele Millowitsch und Doris Kunstmann sowie die Komödie Sing, wenn du kannst! (2002), aufgeführt im Schmidt Theater in Hamburg. Im Februar 2009 erschien sein Buch Für immer d.i.s.c.o, in dem er sich autobiographisch mit der Disco-Ära auseinandersetzt.

Das Prinzip ist gleich, aber es wird nicht alles verstanden. Humorentwicklung und Humorverständnis bei Kindern

Dr. Marion Bönsch-Kauke ist Diplompsychologin und Dozentin für Pädagogische Psychologie. Sie lehrte Sozialpsychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Entwicklungspsychologie und Erziehungspsychologie an der Universität Leipzig, Pädagogische Psychologie und Empirische Bildungsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin, außerdem Spieltheorie an der Universität für Kunst und Design Halle-Giebichenstein, Sozialpsychologie in den Kreativitätsschulen der Mehlhorn-Stiftung und Schachpsychologie an der internationalen FIDE Trainer Academy Berlin. Sie verfasste die Bücher Spielintelligenz. Spielend lernen - Spielen lehren?Kooperative IntelligenzPsychologie des KinderhumorsNervenkriegKlüger durch Schach. In einer Langzeitstudie erforschte sie im Rahmen eines Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft Kindheit und Jugend kooperative, wettbewerbliche und konflikthafte Interaktionen zwischen Heranwachsenden in ihrem alltäglichen Leben.

Humor als Geburtshelfer. Worüber wir im Internet lachen und welche neuen Kunstformen das hervorbringt

Dr. Karin Wehn ist Medienwissenschaftlerin, Kuratorin für Filmfestivals und freie Journalistin. Sie studierte in Siegen und Ulster (Nordirland) Englische Sprach- und Literaturwissenschaft, Angewandte Sprachwissenschaft sowie Neuere deutsche Literaturwissenschaft. Karin Wehn war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig (1999-2008) und im DFG-Forschungsprojekt Fernsehkrimi in Ost-, West- und Gesamtdeutschland an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Gastprofessuren führten sie an die Universität der Künste in Berlin (2001-2003) und wieder an die Universität Halle-Wittenberg (2005). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Animationsfilm, Neue Medien, Film- und Fernsehanalyse sowie Medientheorie.

Tatort Jugendschutz – ein Streitgespräch

Positionen:

Dr. Peter Hasenberg (Katholische Kirche, Bonn):
Grenzen einhalten. Auch Humor muss Empfindungen anderer respektieren

Dr. habil. Gerd Hallenberger (Medienwissenschaftler, Marburg):
Spaß verstehen. Humor als Ausdrucksmittel der Kultur

Moderation: Dr. Torsten Körner

Dr. Peter Hasenberg studierte Anglistik und Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum, wo er von 1978 bis 1987 als Hochschulassistent am Englischen Seminar beschäftigt war. Studienbegleitend machte er eine Journalistenausbildung und arbeitete als freier Journalist und Filmkritiker für diverse Publikationen. 1988 übernahm er das Filmreferat der damaligen Zentralstelle Medien der Deutschen Bischofskonferenz, die 2001 im Zuge einer Strukturreform in den neu gegründeten Bereich "Kirche und Gesellschaft" integriert wurde. Seitdem leitet er das Referat "Film und Grundsatzfragen", zu dem u. a. die Jugendschutzthematik gehört. Seit 1989 ist er Vorsitzender der Katholischen Filmkommission für Deutschland. Als Autor und Mitherausgeber ist er an zahlreichen Publikationen der katholischen Filmarbeit beteiligt (Zeitschrift Film-DienstLexikon des Internationalen Films, Lexikon Religion im Film, Buchreihe Film und Theologie). Seit 1989 ist er als Prüfer bei der FSK tätig und vertritt die katholische Kirche in Gremien der Filmförderungsanstalt (FFA). Hasenberg ist Mitglied des Kuratoriums der FSF.

Dr. Torsten Körner ist Schriftsteller und Journalist. Nach seinem Studium der Germanistik und Theaterwissenschaften promovierte er. Außerdem engagiert er sich in vielen ehrenamtlichen Projekten, z.B. Medienarbeit mit straffälligen Jugendlichen oder für die Betreuung von Senioren. Als Fernseh- und Medienkritiker schreibt er für verschiedene Berliner Tageszeitungen. Ebenso ist er sowohl Juror des Grimme-Preises und Vorsitzender der Jury zum Deutschen Radiopreis als auch Prüfer bei der FSF.

PD. Dr. Gerd Hallenberger studierte Europäische Ethnologie, Soziologie, Anglistik und Politikwissenschaft. 1985 promovierte er im Fach Europäische Ethnologie (Titel der Dissertation: Die politische Seite der Science-Fiction. Eine inhaltsanalytische Bestandsaufnahme), 1997 folgte die Habilitation im Fach Medienwissenschaft. Er war von 1986 bis 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei verschiedenen Teilprojekten des DFG-Sonderforschungsbereichs Bildschirmmedien an den Universitäten Marburg und Siegen. Von 1996 bis 2004 war er Leiter des deutschen Zweigs des europäischen Forschungsverbundes Eurofiction. 2001/2002 vertrat er die Universitätsprofessur Medienwissenschaft und Mediengestaltung an der Universität/GH Siegen. 2007/2008 die Universitätsprofessur Theorie und Praxis von Funk/Film/Fernsehen unter Einschluss moderner Medien an der Universität Hildesheim. Seit 2000 ist er regelmäßig Mitglied von Nominierungskommissionen und Jurys für den Adolf-Grimme-Preis. Aktuell ist er freiberuflicher Medienwissenschaftler. Buchveröffentlichungen (u. a.): Hätten Sie's gewußt? Die Quizsendungen und Game Shows des deutschen Fernsehens (Jonas 1991, hrsg. mit Joachim Kaps), Live is Life. Mediale Inszenierungen des Authentischen (Nomos 2000, hrsg. mit Helmut Schanze), Neue Kritik der Medienkritik. Werkanalyse, Nutzerservice, Sales Promotion oder Kulturkritik? (von Halem 2005, hrsg. mit Jörg-Uwe-Nieland). Hallenberger ist Mitglied des Kuratoriums der FSF.

Anschließend wurde der wissenschaftliche Nachwuchspreis medius 2010 verliehen.