Aus dem Gleichgewicht – Wenn Mediennutzung stresst

Sommerforum Medienkompetenz 2015 am 19. Juni

Kein Zweifel: Ohne Medien läuft heute so gut wie nichts mehr. Soziale Kontakte pflegen wir über verschiedene Wege von überall auf der Welt; jede benötigte Information finden wir im Internet. Ob zu Unterhaltungszwecken, zum Einkaufen oder als geografische Orientierungshilfe – Medien begleiten uns in allen Lebenslagen. Dabei nimmt vor allem das Smartphone einen zentralen Platz ein.

Doch nicht immer führen die Erleichterung der Kommunikation und die Informationsvielfalt zu einem entspannten Leben. Von einem souveränen Umgang mit der medialen Technik und ihren Inhalten sind wir manchmal weit entfernt. Regelmäßig nehmen wir uns beispielsweise vor, mehr Sport zu treiben oder mehr Zeit mit Partner und Familie zu verbringen, um dann doch an diesen Vorhaben zu scheitern, weil wir „eben noch schnell“ etwas am Computer zu erledigen haben. Mediennutzung, die eigentlich Erholung stiften soll, verkehrt sich in Stress.

Dies scheint mittlerweile kein vereinzeltes Phänomen zu sein, verschiedene Lösungsansätze werden ausprobiert. Schulen sprechen Handyverbote aus, manche Nutzer verordnen sich Medienfasten, Austritte aus Social-Media-Kanälen nehmen zu.

Was können wir tun, wenn wir unseren eigenen Medienkonsum als Belastung empfinden? Welche Strategien gibt es, Medien produktiv und „gesund“ zu nutzen und nicht umgekehrt von ihnen beherrscht zu werden? Wie kann Medienpädagogik diese Entwicklung sinnvoll begleiten? Das Sommerforum beschäftigte sich am 19. Juni 2015 mit der Frage, wann wir digitale Mediennutzung als Erholung empfinden und wann die Lust auf immer mehr mediale Vernetzung zu Stress oder gar Sucht führt. Und nicht zuletzt ging es um Konzepte für einen selbstbestimmten Medienumgang.

Begrüßung

Einstimmung

Freizeitverhalten und Mediennutzung

Ayaan Hussein ist Pressesprecherin der Stiftung für Zukunftsfragen, einer Initiative der British American Tobacco. Neben der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit begleitet sie die wissenschaftlichen Studien und betreut die Veranstaltungen der Stiftung, wie z.B. die Delphi-Dialoge, Vortragsveranstaltungen und Pressekonferenzen.
 

How I Met My Recovery – Medienrezeption und Erholung

Elisabeth Königstein ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Medienpsychologie der Universität Würzburg. Sie studierte dort Psychologie mit den Schwerpunkten Wahrnehmungsforschung, Marktforschung und Personalentwicklung sowie Klinische Psychologie. Ihre Interessens- und Forschungsschwerpunkte sind u.a. Erholung und Medienrezeption, Medienwirkung und -konzeption, Wahrnehmung und Emotion sowie Film/Fernsehen und Fotografie.
 

Mediennutzung im Gleichgewicht – Wie geht das?

Moderatorin Christine Watty im Gespräch mit Dr. Susanne Eggert (Medienpädagogin), Dr. Jan Glasenapp (Psychotherapeut), Prof. Dr. Friedrich Krotz (Kommunikations- und Medienwissenschaftler) und Andre Wilkens (Politikwissenschaftler)

Dr. Susanne Eggert ist seit 1998 am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis in der medienpädagogischen Forschung tätig. Sie studierte Medien- und Kommunikationswissenschaften, Germanistik, Hispanistik und Psychologie in Leipzig und Trier. Von 2006 bis 2015 war sie außerdem verantwortliche Redakteurin der medienpädagogischen Fachzeitschrift merz | medien + erziehung. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Medienaneignung von Kindern und Jugendlichen, Familie und Medien, internationale Medienpädagogik, Migration und Medien.

Dr. Jan Glasenapp ist Psychotherapeut in eigener Praxis in Schwäbisch Gmünd sowie Supervisor und Coach für unterschiedliche Arbeitsfelder. In seiner Praxis beschäftigt er sich gern mit Emotionen als Ressourcen. Auf dem Forum stellt er ein privates Experiment vor – die Nachrichtenaskese: ein Jahr lang keine Nachrichten, weder im Fernsehen, online, per App oder auf Papier.

Dr. Friedrich Krotz ist Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt soziale Kommunikation und Mediatisierungsforschung an der Universität Bremen. Zahlreiche Lehraufträge und Forschungsprojekte führten ihn an verschiedene Universitäten im In- und Ausland. Krotz betreute von 2008 bis 2016 als verantwortlicher Editor das European Journal of Communication Research und ist Koordinator des DFG-Schwerpunktprogramms Mediatisierte Welten.

Andre Wilkens hat als Politikwissenschaftler viele Jahre in Brüssel, London, Turin und Genf für die EU, verschiedene Stiftungen und die UNO gearbeitet. Inzwischen lebt er mit seiner deutsch-englischen Familie in Berlin. In seiner jüngsten Buchveröffentlichung Analog ist das neue Bio analysiert er unkonventionell und sehr persönlich, wie das digitale Zeitalter unser Leben und Denken verändert und welchen Einfluss das auf unser soziales Miteinander hat.

Christine Watty lebt und arbeitet als freie Journalistin in Berlin. Sie studierte in Hamburg und Spanien. Ihre Themenschwerpunkte sind Kultur, Politik und digitale Medien. Sie moderiert unter anderem Sendungen für Deutschlandradio Kultur und den WDR. Außerdem arbeitet sie als Redakteurin für verschiedene Sendungen im Deutschlandradio Kultur und ist Autorin für Feature, Reportagen und Beiträge. Und wenn dann noch Zeit ist, gibt sie Sprechunterricht oder ist Moderatorin ganz unterschiedlicher Veranstaltungen.