2014_Menschenwuerde

medien impuls am 26. November 2014

Unbestimmter Rechtsbegriff mit bestimmten Folgen
Der Schutz der Menschenwürde in den Medien

Dem Schutz der Menschenwürde wird in Art. 1 des Grundgesetzes ein sehr hoher Verfassungsrang eingeräumt, was historisch dadurch entstanden ist, dass man eine Wiederholung des verbrecherischen Unrechtssystems des Nationalsozialismus verhindern wollte.

In § 4 Jugendmedienschutz-Staatsvertrag wurde die mediale Verbreitung von Inhalten als unzulässig erklärt, die in ihrer Darstellung einen Verstoß gegen die Menschenwürde darstellen. Demnach dürfen Menschen, die sterben oder erheblichen körperlichen oder seelischen Qualen ausgesetzt sind, nicht zum Objekt zum Beispiel kommerzieller Interessen der Anbieter werden. Auf der anderen Seite ist es aber gerade die Aufgabe der Medien, auf Verstöße gegen die Menschenwürde vor allem in der Berichterstattung aufmerksam zu machen, weil die Mobilisierung öffentlicher Empörung und der dadurch entstehende Druck auf das Eingreifen des Staates bei der Bekämpfung von Verstößen gegen die Menschenwürde eine wichtige, wenn nicht gar entscheidende Rolle spielt. Insofern muss der verfassungsrechtliche Grundsatz, Verstöße gegen die Menschenwürde in den Medien zu verfolgen, abgewogen werden gegen die in Art. 5 GG garantierte Freiheit der Medien.

In der Praxis der Veranstalter und der Selbstkontrollen führt dieser Abwägungsprozess oft zu Unsicherheit, weil sich dieser Bewertungsprozess faktisch einem einigermaßen objektiven Zugang entzieht. medien impuls wird das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und diskutieren.

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Prof. Joachim von Gottberg, Foto © Thomas Trutschel

Begrüßung

Prof. Joachim von Gottberg
FSF

Prof. Joachim von Gottberg ist Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF). Nach seinem Studium der Germanistik und Theologie (Lehramt) baute er in Hannover die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen auf und beschäftigte sich neben Suchtprävention und Jugendkriminalität mit der Wirkung von Medien. Ab 1985 war er als Ländervertreter bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) tätig, bis er 1994 die Geschäftsführung der FSF übernahm. Er ist Chefredakteur der Fachzeitschrift tv diskurs und seit April 2006 Honorarprofessor für das Fach Medienethik/Medienpädagogik an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF.

Prof. Dr. Dr. Ino Augsberg, Foto © Thomas Trutschel

Die Würde des Menschen ist unantastbar – Historische und aktuelle Anmerkungen zum höchsten Gut unserer Verfassung

Prof. Dr. Dr. Ino Augsberg
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

> Vortrag bei YouTube

Dr. Dr. Ino Augsberg ist Professor für Rechtsphilosophie und Öffentliches Recht sowie Co-Direktor des Hermann-Kantorowicz-Instituts für juristische Grundlagenforschung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er studierte Philosophie, Kunstgeschichte, Literatur- und Rechtswissenschaft in Freiburg i. Br. und Heidelberg und promovierte 2001 zum Dr. phil. und 2008 zum Dr. iur. Von 2008 bis 2013 war Augsberg wissenschaftlicher Mitarbeiter und Akademischer Rat a.Z. am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Kirchenrecht der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2013 folgte seine Habilitation. Augsberg ist zusammen mit Prof. Dr. Karl-Heinz Ladeur Verfasser des Buches Die Funktion der Menschenwürde im Verfassungsstaat.

Prof. Dr. Mark D. Cole, Foto © Thomas Trutschel

Der Schutz der Menschenwürde in den Medien – Eine Begriffsklärung aus verfassungsrechtlicher Sicht

Prof. Dr. Mark D. Cole
Universität Luxemburg

> Vortrag bei YouTube

Dr. Mark D. Cole ist Professor für das Recht der neuen Informationstechnologien, Medien- und Kommunikationsrecht an der Universität Luxemburg und Wissenschaftlicher Direktor am Institut für Europäisches Medienrecht (EMR) in Saarbrücken. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften legte Cole 1998 das Erste und 2004 das Zweite juristische Staatsexamen ab. Parallel dazu studierte er Politikwissenschaften und Philosophie. 2003 promovierte Cole zum Dr. iur. an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit 2004 ist er dort Dozent für Europäisches Medienrecht. Seine Forschungs- und Publikationsschwerpunkte betreffen das gesamte Medienrecht mit besonderem Fokus auf das europäische und vergleichende Medienrecht.

Menschenwürdeverstöße in den Medien – Wo liegen die Grenzen?

Ein Streitgespräch zwischen Andreas Fischer (Niedersächsische Landesmedienanstalt) und Prof. Dr. Oliver Castendyk (Allianz deutscher Produzenten)

Moderation: Torsten Körner

> Mitschnitt auf YouTube

Andreas Fischer, Foto © Thomas Trutschel

Andreas Fischer ist Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt und erster stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz. Er studierte Jura in Freiburg, Tübingen und Heidelberg. Nach Anstellungen als Leiter der Rechtsabteilung bei der Landesanstalt für Kommunikation und stellvertretender Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt übernahm Fischer 2010 die Stelle des Direktors.

Prof. Dr. Oliver Castendyk, Foto © Thomas Trutschel

Prof. Dr. Oliver Castendyk ist Partner der Kanzlei Brehm & von Moers in Berlin. Zwischen 1991 und 2000 arbeitete er im Rechtsbereich der KirchGruppe und der ProSieben Media AG. Seit 2001 berät er Mandanten aus den Bereichen Filmproduktion, Rundfunk und Print, u.a. als Leiter der Sektion Entertainment in der Allianz deutscher Produzenten Film & Fernsehen. Von 2001 bis 2009 bekleidete Castendyk das Amt des Direktors im Erich Pommer Institut. Zusätzlich übernahm er 2004 bis 2009 eine Stiftungsprofessur für Öffentliches und Privates Medienrecht an der Universität Potsdam. Oliver Castendyk ist Mitherausgeber der juristischen Zeitschrift Multimedia und Recht (MMR).

Dr. Torsten Körner, Foto © Thomas Trutschel

Dr. Torsten Körner ist Schriftsteller und Journalist. Nach seinem Studium der Germanistik und Theaterwissenschaften promovierte er. Als Fernseh- und Medienkritiker schreibt er für verschiedene Tageszeitungen und Fachpublikationen. Er veröffentlichte mehrere Bücher, u.a. Biografien über Heinz Rühmann, Götz George und Franz Beckenbauer sowie ein Porträt der Familie Willy Brandt. Körner ist Juror des Grimme-Preises und Vorsitzender der Jury zum Deutschen Radiopreis sowie Prüfer bei der FSF. 2009 erhielt er für seine Fernsehkritiken den Bert-Donnepp-Preis des Grimme-Instituts.

Kriterien im Diskurs
Versuch einer Annäherung anhand von Prüffällen von FSF und FSM

Claudia Mikat, Foto © Thomas Trutschel

Claudia Mikat
FSF

Claudia Mikat ist seit 2001 die Leiterin der FSF-Programmprüfung und hauptamtliche Vorsitzende in den Prüfausschüssen. Sie studierte Erziehungswissenschaften/Freizeit- und Medienpädagogik an der Universität Göttingen. Danach arbeitete sie als freiberufliche Medienpädagogin, als Dozentin und in der Erwachsenenbildung. Von 1994 bis 2001 leitete sie die Geschäftsstelle der FSF.

Otto Vollmers, Foto © Thomas Trutschel

Otto Vollmers
FSM

Otto Vollmers ist seit Oktober 2011 Geschäftsführer der Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM). Er studierte Rechtswissenschaften in Marburg, Paris und Wellington. Nach der Beschäftigung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Marburg absolvierte er das Rechtsreferendariat in Berlin. Von 2006 bis 2011 war Otto Vollmers als juristischer Referent der FSM für Fragen des Jugendmedienschutzes tätig.

C. Mikat und O. Vollmers, medien impuls: Menschenwürde, Foto © Thomas Trutschel
Ausschnitt Präsentation I. Augsberg, medien impuls: Menschenwürde, Foto © Thomas Trutschel
Visuelle Beispiele - Abstimmungssprozess, medien impuls: Menschenwürde, Foto © Thomas Trutschel
Visuelle Beispiele, medien impuls: Menschenwürde, Foto © Thomas Trutschel
O. Castendyk, T. Körner und A. Fischer (v.l.) im Streitgespräch; medien impuls, Foto © Thomas Trutschel
Publikum, medien impuls: Menschenwürde, Foto © Thomas Trutschel
Prof. Dr. M. Cole und Prof. Dr. O. Castendyk, medien impuls: Menschenwürde, Foto © Thomas Trutschel
M. Cole und I. Augsberg, medien impuls: Menschenwürde, Foto © Thomas Trutschel
Impressionen, medien impuls: Menschenwürde, Foto © Thomas Trutschel
Logo medien impuls

26.11.2014

Hinweise

Alle Fotos von der Veranstaltung:
© Thomas Trutschel
(per Klick vergrößerbar)

Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass Sie sich mit Ihrer Teilnahme damit einverstanden erklären, im Rahmen der Berichterstattung über die Veranstaltung auf Fotos und Videomaterial zu erscheinen.