Wie ist KIM konzipiert?

Die konzeptionelle Umsetzung der DVD unterstützt in hohem Maße eine diskursive Bearbeitung der Thematik „Krieg in den Medien“. Sie hilft Jugendlichen dabei, in der Auseinandersetzung mit Mitschülern Antworten auf nicht immer eindeutig zu beantwortende Fragen auszuhandeln, eigene Positionen zu entwickeln bzw. diese Positionen zu hinterfragen. KIM trägt damit der Tatsache Rechnung, dass das gleiche Medium mit gleichem Inhalt bei verschiedenen Menschen aufgrund ihrer unterschiedlichen emotionalen und kognitiven Voraussetzungen ganz verschiedene Reaktionen auslösen kann.

Die DVD ermöglicht zwei unterschiedliche thematische Zugänge zu „Krieg in den Medien“: In den „Einführungstouren“, die einer vorgegebenen, eher linearen Dramaturgie folgen, begegnen die Schüler grundlegenden Schwerpunkten und Begriffen. Das „Wissen im Detail“ ermöglicht die vertiefende und freie Bearbeitung der jeweiligen Schwerpunkte anhand weiterer Materialien in Verbindung mit den von den Schülern zu lösenden Aufgaben.

Thematisch gliedert sich die DVD in drei Einheiten:

In "Live dabei? Der Krieg und die Medien" werden die zentralen Begriffe der Thematik definiert und von verschiedenen Seiten grundlegend beleuchtet. Ausgewählte Aspekte sind zum Beispiel Kriegsregionen, Kriegsfolgen sowie Medienformen oder Mediennutzung. Daneben wird dargestellt, wie Kriege im Verlauf der Geschichte in den zeitgenössischen Medien widergespiegelt wurden. 

Die Einheit "Medienprodukt Krieg? Die Inszenierung des Krieges in den Bildschirmmedien" befasst sich eingehend mit der Produktion von Kriegsberichterstattungen, Kriegsfilmen und Computerkriegsspielen. Darin enthalten ist der themenspezifische Teil, in dem die Inszenierung des Krieges in den jeweiligen Medien ebenso erklärt wird wie die Beeinflussung der Medienproduzenten durch kriegs- bzw. militärrelevante Faktoren. Wie arbeiten "embedded journalists"? Welche Probleme stehen einer objektiven Kriegsberichterstattung im Weg? Warum investiert die US-Armee Gelder in Spielfilme oder Computerspiele? Was fasziniert die Medienkonsumenten an der Darstellung von kriegerischer Gewalt? Darüber hinaus werden die gemeinsamen Gestaltungs- bzw. Inszenierungsmethoden betrachtet, die bei der Kriegsdarstellung in allen drei Medienformen vorkommen. 

Die Frage nach dem Sinn und Zweck von Kriegspropaganda steht im Mittelpunkt der Einheit "Alles Propaganda? Medien als Instrument der Beeinflussung" und wird durch die Vorstellung der Adressaten und Ziele medialer Beeinflussung erklärt. Anhand von historischen Gegebenheiten werden Beispiele für den Missbrauch der Massenmedien für propagandistische Zwecke dargestellt. Hierbei wird auch verdeutlicht, wie in den Kriegen der letzten hundert Jahre immer auch die neuesten medialen Entwicklungen für die Beeinflussung des Gegners oder der eigenen Bevölkerung eingesetzt wurden: Vom Stummfilm im Ersten Weltkrieg bis zum Warblog im Dritten Golfkrieg – die Medien ändern sich, die Propagandaformen und -methoden scheinen allerdings weitgehend gleich zu bleiben. Daneben wird im Kapitel „Engagement gegen Propaganda und Krieg“ auf die Möglichkeiten und Versuche hingewiesen, der Kriegspropaganda oder einer kriegstreiberischen Politik entgegenzuwirken. 

Was enthält KIM?

"Krieg in den Medien" enthält Beispiele, die die Verflechtungen von Krieg und Medien in einer großen Vielfalt in unterschiedlichen Genres spiegeln: Dokumentation, Fiktion, Unterhaltung etc. Dementsprechend liefert die DVD eine weite Bandbreite multimedialen Materials: Das reicht von spätmittelalterlichen Flugblättern über Tondokumente aus den Weltkriegen, Kriegsfotografien, Experteninterviews bis zu Ausschnitten aus historischen und aktuellen Spielfilmen sowie aus Computerspielen und Internetseiten. Dieses Material ist eingebunden in erläuternde Texte und Aufgaben für Schüler. Die Schüleraufträge sind dabei multimedial per DVD oder unmittelbar in Zusammenarbeit oder Diskussionen mit Mitschülern zu lösen. Ein Glossar, eine Kurzanleitung zur Arbeit mit KIM, zwei Datenbanken zu Filmen und Computerspielen sowie eine Suchfunktion ergänzen die Materialien. Vervollständigt wird KIM durch Arbeitsblätter für Schüler und ein umfangreiches Handbuch mit allgemeinen Hinweisen zur DVD sowie konkreten Entwürfen für didaktisch-methodische Unterrichtseinheiten.
Ich glaube, das Geheimnis von Propaganda ist, dass wir nicht wissen, wie subtil sie auf unsere Wahrnehmung wirkt. Wenn wir nicht Kriegsopfer filmen würden, dann hätte die Welt von diesem Elend nie erfahren.
Antonia Rados, Kriegsreporterin

Experten

Eine Besonderheit stellen die eigens für die DVD geführten Experteninterviews dar. Verschiedene Journalisten und Wissenschaftler sowie ein Spieletester liefern mit den Erfahrungsberichten aus ihren jeweiligen Arbeitsbereichen interessante Einblicke in die Praxis und unterfüttern damit das theoretische Material.


Bettina Gaus, Journalistin, wurde 1956 geboren. Sie besuchte die Deutsche Journalistenschule und studierte parallel Politologie an der Universität München. 1983 bis 1989 arbeitete sie als politische Redakteurin bei der Deutschen Welle. 1990 ging sie für sechs Jahre nach Nairobi und berichtete von dort aus – zunächst als freie Korrespondentin, später dann für die Tageszeitung (taz) – aus den Krisengebieten in Ost- und Zentralafrika. Seit 1999 ist Bettina Gaus politische Korrespondentin der Tageszeitung. 2000 erschien ihr Buch "Die scheinheilige Republik". >>>Interviewsequenz

Thomas Kausch, Nachrichtenmoderator, wurde 1963 in Werne geboren. Während seines Studiums der Politik, Anglistik und Germanistik in Münster arbeitete Kausch für die dpa und den WDR. Nach seinem Abschluss (1990) arbeitete er als Producer für das ZDF-Studio New York. Später wurde er ZDF-Reporter in Kriegsregionen wie Ruanda und dem Balkan, schließlich war er drei Jahre lang ZDF-Korrespondent in Wien für Südosteuropa. 1998 wurde er mit dem Axel-Springer-Preis für junge Journalisten ausgezeichnet. Von 2001 bis 2004 war er Moderator des ZDF-Nachrichtenmagazins "heute nacht", dann wechselte er zu Sat.1, wo er bis 2007 Anchorman der SAT.1-News war. >>>Interviewsequenz
Marek Klingelstein, Spieletester, wurde 1975 geboren. Nach seinem Studium der Medieninformatik begann er 1994 als Sichter bei der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle). Seit 2003 ist er Leiter des Testbereiches und Assistent der Geschäftsführung der USK. Marek Klingelstein hat nach eigenen Angaben ca. 8.000 Computerspiele gespielt – über 2000 davon durch alle Levels. >>>Interviewsequenz
Prof. Dr. Lothar Mikos, Filmwissenschaftler, wurde 1954 in Obernkirchen geboren. Er studierte Soziologie, Psychologie, Publizistik und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin und arbeitete nach dem Studienabschluss zunächst freiberuflich als Autor und Journalist. 1992 promovierte Lothar Mikos an der Universität Dortmund und übernahm in den folgenden Jahren Gastprofessuren an Universitäten in Deutschland und England. Es folgte 1998 seine Habilitation an der Universität Leipzig. Seit 1999 ist er Professor für Fernsehwissenschaft an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam. Lothar Mikos’ Arbeitsschwerpunkte sind die Bereiche Medienforschung, -beratung, -entwicklung und -pädagogik. >>>Interviewsequenz
Prof. Dr. Herfried Münkler, Politikwissenschaftler, wurde 1951 in Friedberg geboren. Er studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie und promovierte 1981 zum Thema Geschichtsphilosophie und politisches Handeln. 1987 folgt seine Habilitation mit einer Arbeit zum Thema Staatsraison. Von 1980 bis 1992 ist er an der Goethe-Universität in Frankfurt a.M. erst als Lehrbeauftragter und Wissenschaftlicher Mitarbeiter, später als Vertreter einer Professur für Politikwissenschaft tätig. Seit 1992 ist er der Lehrstuhlinhaber für Theorie der Politik am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität Berlin. Herfried Münklers Arbeitsschwerpunkte sind die Ideengeschichte, die Theorie des Krieges und die Imperiumstheorie. >>>Interviewsequenz

Antonia Rados, Fernsehjournalistin, wurde 1953 in Klagenfurt (Österreich) geboren. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaft in Paris und Salzburg arbeitete sie u.a. als freie Mitarbeiterin, außenpolitische Redakteurin und Korrespondentin in Washington für den ORF. Später wurde sie als Sonderkorrespondentin für den WDR und RTL vornehmlich in Kriegsregionen tätig. Einem breiten Publikum wurde sie 2003 durch ihre Arbeit im Irak-Krieg für RTL und n-tv bekannt. Ihre Reportagen und Dokumentationen wurden zahlreich ausgezeichnet. >>>Interviewsequenz
Guido Schmidtke, Journalist, wurde 1966 in Celle geboren. Während seines Studiums der Sportwissenschaften, Schwerpunkt Publizistik, an der Deutschen Sportschule Köln arbeitete Schmidtke in der Lokalredaktion der Nordwest-Zeitung in Oldenburg. 1995 begann er ein Volontariat in der Nachrichtenredaktion von ProSieben. Seit 1998 ist er weltweit als Reporter unterwegs. Er war unter anderem im Kosovo, in Afghanistan und Kuwait, in den USA und dem Irak im Einsatz. Zurzeit arbeitet er als Redakteur/Reporter beim Nachrichtensender N24. Dort ist er für die Bereiche Luftfahrt und Militär verantwortlich. >>>Interviewsequenz