Comedy in der Zeitkapsel?
Die Comedyserie „Pastewka“

- Pastewka
- D 2005–2020Comedy
- Anbieter
- Comedy Central
- Zu sehen
- seit 05.01.2026
Zehn Staffeln lang begeisterte der Schauspieler Bastian Pastewka in seiner gleichnamigen Comedyserie das deutsche Fernsehpublikum. Pastewka, der in der Serie eine überspitzte Karikatur seiner selbst spielt, wurde über 15 Jahre hinweg als Comedyliebling gefeiert. Im Jahr 2020 fand die Erfolgsserie, die zahlreiche Preise gewann, offiziell ihr Ende, doch noch immer bleibt sie in der deutschen Fernsehlandschaft präsent. Grund genug, um der Frage nachzugehen, ob und wenn ja, wie sich Humor mit der Zeit verändert. Blicken wir heute mit anderen Augen auf das, was wir früher einmal unterhaltsam fanden?
Die Sache mit dem Humor
Die Sache mit dem Humor ist komplex. Das zeigt sich nicht nur im privaten Umfeld, sondern immer deutlicher im medialen Diskurs. Vor allem die Grenzen des Humors sind Gegenstand kontroverser Diskussionen: Was ist zu viel und was ist schon „drüber“? Was ist zu trocken? Was gilt heute noch als vertretbar, und wie verschieben sich die Maßstäbe dessen, was wir lustig finden? Eindeutige Antworten gibt es selten, ist die Wahrnehmung von Komik doch höchst individuell. Unser Humor ist geprägt durch Freunde, Familie und den gesellschaftlichen Diskurs. Humor verbindet Menschen, kann aber ebenso spalten. Vor allem dann, wenn vermeintlich „aus der Zeit gefallene“ Inhalte im heutigen Kontext neu bewertet werden. Schauen wir auf Pastewka – wo lässt sich die Serie in diesem Spannungsfeld einordnen?
Zwischen Slapstick und Stereotypen
In den letzten Staffeln der Serie blicken wir auf einen Protagonisten zurück, der viel erlebt hat: berufliche Höhenflüge und Abschiede, eine komplexe Partnerschaft, Familienkrisen und skurrile Selbstfindungsreisen, u. a. im Wohnmobil. All das ist verpackt in viel Selbstironie und teils slapstickartigen Inszenierungen. Die Serie spielt in einer fiktiven, aber realitätsnahen Gegenwart und greift damit unweigerlich gesellschaftliche Diskurse auf.
Doch während sich die Seriencharaktere mit der Zeit verändern, bleiben bestimmte Erzählmuster über die Jahre hinweg auffallend gleich. Bei genauerem Hinsehen finden sich vermehrt Pointen, die auf Kosten marginalisierter Gruppen gehen, klischeebehaftete Rollenbilder bedienen oder Elemente von Bodyshaming enthalten. Als Zuschauer*in drängt sich heute die Frage auf: Ist das noch zeitgemäß oder war es das überhaupt jemals?
Staffel 9: Liebe, Drama, Überraschungen – typisch Pastewka (MySpass Stand-up, 07.10.2025)
Ein geschärfter Blick auf alte Pointen
Fakt ist: Noch vor zehn Jahren wurde gesellschaftlich und medial gänzlich anders über Themen wie Sexismus, Rassismus und Diversität gesprochen. Der Diskurs war zurückhaltender, weniger hinterfragend. In den letzten Jahren haben insbesondere soziale Netzwerke und ein verstärktes Bewusstsein für Diskriminierungsstrukturen dazu beigetragen, dass Missstände sichtbarer wurden. Im Ergebnis sind wir heute deutlich stärker für Vielfalt und die Macht der Sprache sensibilisiert. Dies verändert auf gewisse Weise auch das Storytelling in Filmen und Serien.
Wenn wir heute alte Folgen von Pastewka sehen, in denen Bastian durch seine soziale Unbeholfenheit Fettnäpfchen mitnimmt, entsteht ein spannender Reibungspunkt. Aus heutiger Sicht werten wir vieles davon als klare Grenzüberschreitung, ein Augenrollen inklusive. Bei bestimmten Äußerungen zieht sich etwas im Magen zusammen, und in diesem Moment weiß man: Das würde ich heute nicht (mehr) so sagen. Hier geht es nicht um eine pauschale Verurteilung oder das „Canceln“ eines Klassikers. Es geht um unsere Reflexion als Zuschauende. Vielleicht schmunzeln wir noch über Bastians Scheitern, über seine skurrile Art, aber wir kommen auch ins Grübeln. Darüber, wo wir selbst mittlerweile Grenzen ziehen, vor allem aber darüber, wie sich Humor gesellschaftlich und in unserem eigenen Empfinden über die Zeit verändert hat. Eine Erkenntnis, die wertvoll ist und unseren eigenen Blick künftig schärft.
Freigegeben ab 12 Jahren | ab 6 Uhr und ab 20 Uhr
Der erzählerische Fokus liegt bei Pastewka auf verschiedenen Alltagssituationen im Leben des Protagonisten. Staffelübergreifend sind die Episoden in ein dialogorientiertes und humorvolles Setting eingebettet, das sprachlich durch diverse Wortwitze und Anspielungen – teilweise auch sexuell konnotiert – geprägt ist. Mit wenigen Ausnahmen sind diese Anspielungen jedoch subtil und damit für unter 12-Jährige kaum decodierbar.
Vereinzelt gibt es sexuelle Handlungen auf der Bildebene, die jedoch durch Situationskomik sowie Pastewkas Eigenkomik skurril und witzig gebrochen sind und somit einen entlastenden Kontrast bieten.
Auf der Sprachebene finden sich auch Aussagen und Begrifflichkeiten, die tendenziell abwertend oder beleidigend sind. So werden beispielsweise in mehreren Episoden sexistische oder frauenfeindliche Witze geäußert, wobei diese von verschiedenen beteiligten Personen häufig beschämt oder verhalten wahrgenommen werden und somit ein gewisses Korrektiv gegeben ist. Es handelt sich hierbei zudem um sprachliche Ausreißer, die nicht die Gesamtsprachebene dominieren. Die Äußerungen stammen häufig von Pastewkas Schauspielkollegen, die überzeichnet dargestellt werden und aufgrund ihrer Inszenierung nicht anschlussfähig für Jüngere sind. Eine Normalisierung oder Befürwortung sexistischer Einstellungen ist durch die benannten Darstellungen nicht gegeben.
Dies gilt auch für Begriffe, die diskriminierende Tendenzen bspw. gegenüber PoC oder Menschen mit Beeinträchtigung haben. Entsprechende Äußerungen und Verhaltensweisen werden jedoch meist kritisch durch Pastewkas Mitmenschen, wie seine Partnerin Anne, eingeordnet und zu keiner Zeit verharmlost oder befürwortet. Durch den offensichtlich veralteten Seriencharakter können diese Aussagen zudem mit einer gewissen Distanz wahrgenommen werden.
Pastewka polarisiert in seiner Serie immer wieder mit eigennützigen Machenschaften und manipulativen Verhaltensweisen. Sein Verhalten wird jedoch immer entlarvt und kritisch eingeordnet. Auf sein egoistisches und teils auch moralisch verwerfliches Handeln folgt immer eine entsprechende Konsequenz, sodass sein Verhalten weder als erfolgreich noch als nachahmenswert inszeniert wird. Insbesondere Pastewkas Partnerin Anne ist immer wieder ein moralisches Korrektiv, das Pastewka entschlossen die Stirn bietet.
Im Ergebnis wurde die Mehrzahl der geprüften Episoden ab 12 Jahren für das Tagesprogramm freigegeben. Episoden, in denen die Sprachebene aufgrund derberer sexueller Begriffe und/oder Handlungen als expliziter gewertet wurden, erhielten hingegen eine Freigabe ab 12 Jahren für das Hauptabendprogramm.
Über die Autorin:
Lena Wandner studierte Kinder- und Jugendmedien an der Universität Erfurt und ist Prüferin bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF). Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ist inzwischen freiberuflich tätig als Jugendschützerin und Medienpädagogin.
Bitte beachten Sie:
Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Medieninhalt nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung hat.
Weiterlesen: Sendezeiten und Altersfreigaben
Hinweis:
Pay-TV-Anbieter oder Streamingdienste können eine Jugendschutzsperre aktivieren, die von den Zuschauerinnen und Zuschauern mit der Eingabe einer Jugendschutz-PIN freigeschaltet werden muss. In dem Fall gelten nicht die üblichen Sendezeitbeschränkungen und Schnittauflagen. Weitere Informationen zu Vorschriften und Anforderungen an digitale Vorsperren als Alternative zur Vergabe von Sendezeitbeschränkungen sind im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (§ 5 Abs. 3 Nr. 1; § 9 Abs. 2 JMStV) sowie in der Jugendschutzsatzung der Landesmedienanstalten (§ 2 bis § 5 JSS) zu finden.
Weiterlesen: Jugendschutz bei Streamingdiensten


