Rote Rosenkriege
Die Dramaserie „Tyler Perry's Divorced Sistas“

- Tyler Perry's Divorced Sistas
- USA 2025Drama
- Anbieter
- Paramount+
- Zu sehen
- seit 30.06.2026
Tyler Perry’s Divorced Sistas ist eine Dramedy-Soap des US-amerikanischen Regisseurs, Produzenten und Schauspielers Tyler Perry. Die Serie wird in seinem Filmstudio in Atlanta, der Stadt des „Black Hollywood“ produziert, die als globales Zentrum afroamerikanischer Geschichte, Politik und Unterhaltung gilt. Sie folgt fünf befreundeten, frivolen Schwarzen Frauen um die 40 bei der theatralisch inszenierten Bewältigung ihrer Scheidungen. Das betont künstlich inszenierte, dick aufgetragene Drama stellt ein Schwarzes Milieu dar, das sich durch den Kontrast zwischen großbürgerlichem Status der Frauen und Gangster-Benehmen auszeichnet. Während sie in opulenten Villen wohnen, sich sowohl elegant motorisiert als auch ebenso frisiert und gekleidet durch das Bild bewegen, setzen sie nebenbei private Schusswaffen und Springmesser gegen bestellte Callboys oder Exmänner ein und fluchen in derber Vulgärsprache.
Trailer Tyler Perry's Divorced Sistas (BETNetworks, 29.05.2025)
Freigegeben ab 12 u. ab 16 Jahren | ab 20 Uhr und ab 22 Uhr
Das alltagsferne Setting mit überspannten, wohlhabenden Frauen um die 40 schafft eine Grunddistanz zur Lebenswelt hiesiger Jugendlicher. Auch das Soap-typische, dramatische Spiel, der Fokus auf Beziehungsprobleme von Erwachsenen und die Studioinszenierung samt heller, flacher Beleuchtung stellen die Fiktion heraus und wirkend teils relativierend. Rezipierende tauchen nicht unmittelbar in die präsentierte Welt ein, sondern betrachten sie aus einem gewissen Abstand.
Die Geschlechterbilder sind widersprüchlich konstruiert und reproduzieren trotz emanzipiert agierender, erfolgreicher Schwarzer Frauen auch reaktionäre Stereotype, wie das Bild der „hysterischen“ Frau, die krankhaft eifersüchtig auf die Neue und Jüngere ist und sich nicht unter Kontrolle hat. Sowohl die heterosexuellen als auch die freundschaftlichen Beziehungen wirken warenförmig und transaktionell. Zwar geht es auch irgendwie um „Schwesternschaft“ und Zusammenhalt, vor allem aber geht es um narzisstische Kränkungen, Sex, Geld, (Blut‑)Rache und Intrigen, die überspitzt und teils auch explizit ins Bild gesetzt werden.
Außerhalb einer spezifisch US-amerikanischen Schwarzen Umgangssprache hätte der beiläufige Gebrauch des N-Wortes tabuisierten, stark diskriminierenden Charakter. Hier ist er selbstermächtigt angeeignet. Der in der Originalversion häufig fallenden rassistischen Verunglimpfung als Selbstbezeichnung ist die negative Deutungshoheit der Fremdbezeichnung entzogen. Trotz des Gebrauchs auch als Schimpfwort ist das Wort hier kontextualisiert und legitimiert. Jugendliche lernen die situative Legitimität von Diskriminierungen als Selbstbezeichnung wie etwa der emanzipatorische Gebrauch des Wortes „Krüppel“ oder „Crip“ im Dis/ability-Kontext.
Die Darstellung von Erwachsenensexualität sprengt in einer Folge den Rahmen dessen, was von ab 12-jährigen Zuschauenden noch angemessen eingeordnet und verarbeitet werden kann. Die hier vorhandene Inszenierung von SM- und Kinkpraktiken mit einem Sexarbeiter einschließlich konfrontativer Vulgärsprache sowie des sexualisierten Gebrauchs einer Schusswaffe wurde als entwicklungsbeeinträchtigend für ältere Kinder gewertet. Die Vermischung von Gewalt und Sexualität kann für ab 12-Jährige, die noch keine Souveränität im Umgang mit der eigenen oder der Sexualität anderer haben, ängstigend, schamverletzend wirken und Druck bei ihnen aufbauen, vermeintliche Erwartungen erfüllen zu müssen.
Die Inszenierung häuslicher Gewalt, zu der u. a. das Erstechen eines Exmannes gehört, der zuvor mit einer Stripperin im Familienhaus in Anwesenheit ihres kleinen Kindes interagierte, wurde ebenfalls als ängstigend und durch das innerfamiliäre Setting als anschlussfähig für ab 12-Jährige gewertet.
Aufgrund der Darstellung von ausgespielter häuslicher Gewalt und SM-Praktiken wurden entsprechende Episoden ab 16 Jahren freigegeben. Ab 16-Jährige sind hinreichend lebenserfahren, reflektiert und medienkompetent, um sich selbst kritisch ins Verhältnis zum Dargestellten zu setzen und angebotene Werte oder Verhaltensweisen gegebenenfalls zurückzuweisen oder aber mit ironischer Distanz als Unterhaltung anzunehmen. Die anderen Folgen, die sich auf Beziehungen und Konflikte der Frauen konzentrierten, wurden ab 12 Jahren für das Hauptabendprogramm freigegeben.
Über die Autorin:
Jana Papenbroock studierte Audiovisuelle Medien an der Kunsthochschule für Medien in Köln mit einem Auslandssemester an der CalArts in Kalifornien. Sie arbeitet als freie Autorin und Regisseurin für Film, Fernsehen, Theater, Videoinstallation und Hörspiel.
Bitte beachten Sie:
Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Medieninhalt nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung hat.
Weiterlesen: Sendezeiten und Altersfreigaben
Hinweis:
Pay-TV-Anbieter oder Streamingdienste können eine Jugendschutzsperre aktivieren, die von den Zuschauerinnen und Zuschauern mit der Eingabe einer Jugendschutz-PIN freigeschaltet werden muss. In dem Fall gelten nicht die üblichen Sendezeitbeschränkungen und Schnittauflagen. Weitere Informationen zu Vorschriften und Anforderungen an digitale Vorsperren als Alternative zur Vergabe von Sendezeitbeschränkungen sind im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (§ 5 Abs. 3 Nr. 1; § 9 Abs. 2 JMStV) sowie in der Jugendschutzsatzung der Landesmedienanstalten (§ 2 bis § 5 JSS) zu finden.
Weiterlesen: Jugendschutz bei Streamingdiensten


