
Wir trauern um unser ehemaliges Kuratoriumsmitglied Professor Dr. Dieter Wiedemann, der am vergangenen Donnerstag, dem 30. Oktober, gestorben ist. Mit ihm verlieren wir einen langjährigen Wegbegleiter und Unterstützer der Selbstkontrolle im Medienbereich, einen warmherzigen Menschen und guten Freund.
Dieter Wiedemann, geboren 1946, beendete sein Studium an seiner späteren Wirkungsstätte, der damaligen Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) Potsdam-Babelsberg, mit dem Abschluss Theaterdramaturg. 1971 ging er als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentralinstituts für Jugendforschung nach Leipzig und studierte an der dortigen Universität Pädagogische Psychologie. Sein besonderes Interesse galt schon damals der Wirkungsforschung im Bereich von Film, Fernsehen und Kunst. 1980 schloss er sein Studium mit einer Promotion ab, 1988 folgte die Habilitation. 1990 kehrte er zurück an die HFF und prägte die Hochschule zunächst als Direktor des Instituts für Medienforschung. Später leitete er die HFF, ab 1995 zunächst als Rektor und von 2000 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2012 als Präsident. Sein Verdienst war vor allem die erfolgreiche Etablierung der Hochschule im nationalen, aber auch im internationalen System. Sein größter Wunsch wurde im Jahre 2014 wahr: Aus der Hochschule für Film und Fernsehen wurde die Filmuniversität.
Als 1994 die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) gegründet wurde, um im privaten Fernsehen einheitliche Jugendschutzstandards durchzusetzen, wurde Dieter Wiedemann in das Kuratorium berufen. Dem wissenschaftlichen Sachverständigengremium kam die Aufgabe zu, die Prüfung von Fernsehinhalten fachlich zu fundieren und kritisch zu begleiten. In diesem Gremium verband Dieter Wiedemann die Bereiche Medienwirkung mit Filmästhetik. Er setzte der oft streng empirischen Herangehensweise der Wirkungsforschung seine Kenntnisse über die Bedeutung von Dramaturgie und Mediennutzung entgegen: Medieninhalte seien mehr als bloße Verhaltensmodelle, die junge Zuschauer unreflektiert auf das eigene Leben übertragen, sie böten auch Anreize zur Reflexion und Raum für individuelle Interpretation.
Mit seiner Fachkunde, seiner Offenheit und seiner immer freundlichen und verbindlichen Art gegenüber den unterschiedlichsten Menschen knüpfte Dieter Wiedemann für die FSF zahlreiche Kontakte und Netzwerke. Die Zusammenarbeit zwischen der FSF und der HFF hält bis heute an. Die FSF unterstützt das Studierendenfilmfestival Sehsüchte, veranstaltet regelmäßig Seminare zum Thema „Jugendmedienschutz und Medienethik“ und kann aus der Kommunikation mit den jungen Studierenden die Einschätzung von medialen Wirkungsrisiken zur Diskussion stellen und hinterfragen. Hervorzuheben ist auch die Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK), deren Vorsitz Dieter Wiedemann von 1999 bis 2007 innehatte. Er war jahrelang Mitglied in Jurys für den Grimme-Preis. Die Veränderung der Medienlandschaft und die Folgen für die Demokratie waren auch nach seiner Pensionierung für ihn zentrale Themen. Noch 2023 gab er zusammen mit Thorolf Lipp das viel beachtete Buch Medienzukunft 2025 – Wie kann Vielfalt gelingen? Zur Weiterentwicklung der öffentlich-rechtlichen Medien heraus. Er hatte noch viel vor.
Umso schmerzlicher ist die Nachricht von seinem Tod. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Silvia, seinen Kindern und Enkelkindern.
Prof. Joachim von Gottberg, Claudia Mikat sowie das ganze FSF-Team
