Wissenschaftlicher Nachwuchspreis medius 2026 verliehen
Pressemitteilung vom 12. Juni 2026
Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur e.V. (GMK), das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. (DKHW), die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) und die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e.V. (FSF) haben gestern in Berlin den medius 2026 verliehen. Der Preis ist mit insgesamt 3.000 Euro dotiert und würdigt wissenschaftliche und praxisorientierte Abschlussarbeiten aus dem deutschsprachigen Raum, die sich mit aktuellen Aspekten aus dem Medienbereich, der Medienwissenschaft, Medienpädagogik und Medienbildung oder mit Themen des Jugendmedienschutzes auseinandersetzen.


Der 1. Preis, dotiert mit 1.500 Euro, geht an Michelle Piorek für ihre Masterarbeit Spirituelle TikTok-Videos und ihre Aneignung durch Heranwachsende.
In ihrer Arbeit untersucht die Absolventin der Universität Erfurt ein bislang kaum erforschtes mediales Phänomen: die Darstellung spiritueller Inhalte auf der Social-Media-Plattform TikTok sowie deren Aneignung durch Heranwachsende. Ausgangspunkt ist die zunehmende mediale Aufmerksamkeit für sogenannte moderne oder populäre Spiritualität, die insbesondere auf TikTok stark präsent ist, zugleich aber in der Medienpädagogik und empirischen Forschung bisher nur randständig betrachtet wurde. Vor diesem Hintergrund verfolgt Michelle Piorek das Ziel, sowohl die Themen und die Gestaltung spiritueller Inhalte auf TikTok als auch die Nutzung, Wahrnehmung und Verarbeitung dieser Inhalte durch Heranwachsende zu analysieren.
Den mit 1.000 Euro dotierten 2. Preis verleiht die Jury an Klara Ehrmann für ihre Masterarbeit Professioneller Umgang mit Incels in der Sozialen Arbeit. Ansätze für eine handlungsorientierte Soziale Arbeit, eingereicht an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB).
Diese Arbeit untersucht den professionellen Umgang mit incelbezogenen Narrativen und Problemlagen im Kontext der Sozialen Arbeit. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden gesellschaftlichen, medialen und fachlichen Aufmerksamkeit für die Incel-Community sowie bestehender Forschungslücken in der sozialpädagogischen Praxis verfolgt Klara Ehrmann das Ziel, vorhandene wissenschaftliche Erkenntnisse systematisch zu bündeln und für die Soziale Arbeit praxisorientiert nutzbar zu machen.
Der 3. Preis, dotiert mit 500 Euro, geht an Sophie Lindner für ihre Masterarbeit Zwischen nostalgischer Alltagskultur, politischer Selbstverortung und gesellschaftlichem Engagement. Aushandlung einer ostdeutschen Identität Jugendlicher und junger Menschen auf TikTok und Instagram.
Die an der Universität Erfurt eingereichte Arbeit untersucht, inwiefern Jugendliche und junge Menschen auf TikTok und Instagram eine ostdeutsche Identität konstruieren und aushandeln und wie sie sich ein „Ostdeutschsein“ im Rahmen der Anschlusskommunikation aneignen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass junge Menschen, die nach der deutschen Wiedervereinigung geboren wurden, in Social Media explizit auf Ostdeutschland Bezug nehmen und sich selbst als ostdeutsch positionieren.
Die Preisverleihung erfolgte am 11. Juni 2026 im Rahmen des Sommerforums Medienkompetenz in Berlin.
Zum medius
Der medius ist ein Preis für innovative, wissenschaftliche und praxisorientierte Abschlussarbeiten, die sich mit aktuellen Aspekten aus dem Medienbereich, der (Medien‑)Pädagogik oder Themen des Jugendmedienschutzes beschäftigen.
Er wird durch die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK), die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) und das Deutsche Kinderhilfswerk (DKHW) vergeben.
Neben einer sinnvollen Theorie-Praxis-Verbindung und der Förderung internationaler Perspektiven ist eines der Hauptkriterien für die Auszeichnung stets die Interdisziplinarität.
In unserer inzwischen durch und durch mediatisierten Welt ist es für Fragen der Medienpädagogik und des Jugendmedienschutzes wichtiger denn je, Einflüsse aus anderen Disziplinen aufzugreifen. Neurowissenschaftliche Untersuchungen über Wahrnehmungsprozesse, ethisch-philosophische Überlegungen darüber, was Technik darf und künftig können sollte, oder die soziologische Betrachtung politischen und gesellschaftlichen Handelns in einer vernetzten Welt – Inhalte, die auf den ersten Blick nicht unmittelbar „medienpädagogisch“ erscheinen, haben durchaus Relevanz für die medienpädagogische Praxis. Sie erweitern den Blick auf die Zielgruppe, beeinflussen die Art und Weise, wie Projekte konzipiert und umgesetzt werden und liefern wichtige Erkenntnisse, um Medieninnovationen und -inhalte einzuordnen.
Vor diesem Hintergrund richtet sich die Ausschreibung des medius ausdrücklich auch an alle fachfremden Disziplinen, die eine Relevanz für Medienpädagogik und Jugendmedienschutz geltend machen können.
Es können Abschlussarbeiten von Universitäten, Fachhochschulen und Hochschulen eingereicht werden, die im Jahr oder im Vorjahr der Ausschreibung abgeschlossen worden sind (i. d. R. Bachelor, Master, Magister, Diplom, Staatsexamen). Vorschlagsberechtigt sind die betreuenden Dozentinnen und Dozenten.
Die Absolventinnen und Absolventen können ihre Arbeit auch selbst einreichen, wenn sie den Nachweis erbringen, dass diese mit „sehr gut“ bewertet worden ist. Eine wiederholte Teilnahme mit derselben Arbeit ist nicht möglich.
Neben den üblichen einzureichenden Unterlagen (siehe Ausschreibung) sollte aufgezeigt werden, inwieweit das Thema bzw. die Erkenntnisse der Abschlussarbeit für Fragen der Medienpädagogik oder des Jugendmedienschutzes relevant und ggf. in der Praxis verwertbar sind. Diese Bezüge können in Form eines Textes, einer Projektskizze, einer Präsentation, eines Videos o. Ä. dargestellt werden.
Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert. Einsendeschluss ist jedes Jahr der 28. bzw. 29. Februar. Eingereicht werden können die Bewerbungen bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, vorzugsweise per Mail an: medius@mabb.de.











