Veranstaltungenmedien impuls2018: Praxischeck Jugendmedienschutz

Hilflose Eltern – hilflose Regulierung? Jugendmedienschutz im Praxischeck

medien impuls am 17. April 2018

Die von der FSM Ende 2017 veröffentlichte Studie Jugendmedienschutzindex – Umgang mit onlinebezogenen Risiken hat Eltern und Kinder über ihre Sorgen bei der Internetnutzung, ihre Maßnahmen zum Schutz vor negativen Erlebnissen und ihre Einstellungen zum Jugendmedienschutz befragt. Auf dieser soliden empirischen Grundlage wurden Stärken und Schwächen der derzeitigen medienpolitischen Regelungen für den Jugendmedienschutz sowie der verfügbaren medienpädagogischen Unterstützungsangebote erkennbar.

Der Jugendmedienschutzindex hebt die wichtige Rolle der Eltern bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen vor Onlinerisiken besonders hervor. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass Eltern Wissenslücken bei wichtigen Komponenten des Jugendschutzsystems aufweisen und teilweise bei aktuellen Herausforderungen überfordert sind. Dieser Umstand ist misslich, da der Rechtsrahmen an zentralen Stellen davon ausgeht, dass Eltern die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen und vom Anbieter zu implementierenden Schutzinstrumente umsetzen. Gleichzeitig äußern die Eltern den Wunsch nach einer größeren Verantwortungsübernahme durch Regulierung, Politik, Diensteanbieter und Selbstkontrollen, den es zu adressieren gilt. Die Förderung der Sichtbarkeit der bereits vorhandenen Maßnahmen dieser Akteure sowie das Schaffen von neuen Initiativen und zugänglichen, nachvollziehbaren Lösungen sind hier aus Sicht der Eltern und Heranwachsenden ausbaufähig. Aufbauend auf den Ergebnissen lassen sich Rückschlüsse für die Weiterentwicklung und Anpassung von Regulierung und Maßnahmen der Medienbildung ziehen. Denn wie wirksam die Instrumente des Jugendmedienschutzes sind, entscheidet sich letztlich immer in den Familien selbst. Der medien impuls diskutierte dies mit relevanten Ansprechpartnern aus verschiedenen Bereichen.

Begrüßung und Einstimmung

Martin Drechsler ist Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM). Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und der FernUniversität Hagen sowie dem Referendariat arbeitete er als Rechtsanwalt. Bei der FSM ist er seit 2008 zuständig für rechtliche und technische Fragen des Jugendmedienschutzes und u.a. verantwortlich für das Altersklassifizierungssystem, die Beratung der FSM-Mitglieder bei der Kennzeichnung von Webinhalten, die internationale Vernetzung sowie Vorträge über Jugendschutz und Medienrecht. Als stellvertretender Geschäftsführer der FSM war er ab 2013 tätig und seit September 2016 ist er Geschäftsführer. Außerdem ist Martin Drechsler im Vorstand des Deutschland sicher im Netz e.V.

Impuls: Medienerziehung in Familien heute: Ergebnisse des Jugendmedienschutzindex

Christa Gebel ist Diplom-Psychologin und forscht seit 1999 am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis zum Medienumgang von Kindern und Jugendlichen. Forschungsschwerpunkte sind u.a. Medienerziehung in der Familie sowie Jugendmedienschutzthemen aus der Perspektive von Heranwachsenden, Eltern und pädagogischen Fachkräften. Aktuell arbeitet sie an der von der FSM geförderten Studie Jugendmedienschutz-Index mit sowie dem ACT ON!-Monitoring, ein vom BMFSFJ gefördertes Projekt, in dem zehn- bis 14-Jährige regelmäßig zu ihrer Sicht auf Risiken der Online-Nutzung befragt werden.

Ansätze für einen Jugendschutz im digitalen Zeitalter

Diskussion mit Claudia Mikat (FSF), Stefan Schellenberg (JusProg e.V.) und Marie-Teresa Weber (Facebook Germany)

Claudia Mikat ist Geschäftsführerin der Programmprüfung bei der FSF. Sie studierte Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik und war als freiberufliche Medienpädagogin in der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Erwachsenenbildung tätig. Als Dozentin übernahm sie verschiedene Lehraufträge für Medienpädagogik und Jugendschutz. Von 1994 bis 2001 leitete Claudia Mikat die FSF-Geschäftsstelle und war Redaktionsmitglied der von der FSF herausgegebenen Fachzeitschrift tv diskurs. Sie veröffentlicht regelmäßig Beiträge zum Jugendmedienschutz und zur Prüfpraxis der FSF.

Stefan Schellenberg ist Vorsitzender von JusProg e.V. Er ist gelernter Journalist und seit gut 20 Jahren beruflich im Internet unterwegs. Fast genauso lang liegt sein Interessensschwerpunkt auf dem technischen Jugendmedienschutz. Schellenberg war Mitgründer der Kindersuchmaschine fragFINN.

Marie-Teresa Weber ist Public Policy Manager für Facebook Germany.

Wird an den Bedürfnissen der Familien vorbei reguliert?

Diskussion mit Bettina Bundszus (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Martina Hannak (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien), Heike Raab (Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und in Europa, für Medien und Digitales) und Martin Drechlser (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter)

Bettina Bundszus ist Abteilungsleiterin für Kinder und Jugend im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie studierte Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik in Oldenburg und Hannover. Anschließende Anstellungen führten sie an das Niedersächsische Frauenministerium, das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Martina Hannak ist Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Sie studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg und Bonn. Als Juristin begann ihre berufliche Laufbahn 2003 als Referentin in der BPjM. Von 2008 bis 2016 war sie im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in den Bereichen Personal, Personalentwicklung als Referentin tätig, leitete das Referat „Digitalisierung der Gesellschaft, Digitale Agenda“ sowie zuletzt das Referat „Grundsatzangelegenheiten der Engagementpolitik“.

Heike Raab ist Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und in Europa, für Medien und Digitales. Sie ist seit 1989 Mitglied der SPD und war von 2006 bis 2011 Generalsekretärin der SPD in Rheinland-Pfalz. 2011 wurde Frau Raab zur Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur sowie zur IT-Beauftragten der Landesregierung berufen.

Tagungsmoderation

Christine Watty arbeitet als Redaktionsleiterin, Redakteurin und Moderatorin bei Deutschlandradio Kultur in Berlin. In Hamburg und Spanien studierte sie Jura. Sie lernte Radio beim SWR und war im Anschluss viele Jahre selbständige Journalistin. Als Autorin, Reporterin und Moderatorin war sie u.a. tätig für das Deutschlandradio, den WDR und den MDR. Sie gibt Sprechunterricht, schreibt Texte und moderiert bis heute kleine und große Veranstaltungen. Ihre Themenschwerpunkte sind Kultur, Politik und digitale Medien.