Mediales Erzählen und die Wahrheit

medien impuls am 17. November 2021


„Mein Haus, mein Boot, meine Wahrheit ...“ so oder so ähnlich könnte ein Werbeslogan aus alten Tagen heute lauten.

Neue mediale Formen wie Dokutainment- und Infotainmentformate verknüpfen gekonnt Realitätsbezüge mit fiktionalen Erzählstilen, sodass es zunehmend schwieriger wird, das eine vom anderen klar zu unterscheiden. Dies geschieht basierend auf der Reduktion gesellschaftlicher Komplexität, um dadurch Orientierung zu bieten und die individuelle Zufriedenheit zu erhöhen. Erzählungen über Realitäten werden so zwangsläufig vereinfacht. Auch Clickbaits können nur funktionieren, Fake News und Verschwörungserzählungen nur deshalb so starke Verbreitung finden, weil sich Menschen dem zuwenden, was sie für glaubwürdig halten und was ihre Sicht auf die Welt unterstützt. Wo liegt die Grenze zwischen Vereinfachung und unzulässiger Verwässerung der Wahrheit? Wann geht Vertrauen in Erzähltes verloren, und was passiert, wenn nicht mehr zählt, was wahr und valide ist? Und wie groß ist die Gefahr für die Demokratie, wenn eine Gesellschaft sich nicht mehr auf eine gemeinsame Wahrheit einigen kann? Der medien impuls widmete sich diesen Fragen und erörterte, welche Rolle die Medien spielen und spielen sollten, um Wahrheiten zu vermitteln und welche Kompetenzen heute benötigt werden, um Informationen und mediale Erzählungen wahrzunehmen und einzuordnen.

Die Sendung wurde von ALEX Berlin aufgezeichnet und ist sowohl hier als auch auf dem YouTube-Kanal der FSF abrufbar.

Programm

Begrüßung | Einführung: Claudia Mikat (FSF) und Martin Drechsler (FSM)

Talk: u.a. mit: 
Prof. Dr. Markus Appel (Medienpsychologe),
David Assmann (Filmkritiker, Filmemacher und Filmwissenschaftler),
Prof. Dr. Bernhard Kleeberg (Professor für Wissenschaftsgeschichte | Forschungsgruppe „Praxeologien der Wahrheit“),
Prof. Dr. Jürgen Nielsen-Sikora (Bildungsphilosoph),
Dr. Petra Sandhagen (Entwicklungspsychologin)

Moderation: Vera Linß

Claudia Mikat

Claudia Mikat ist Geschäftsführerin der FSF. Sie studierte Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik, arbeitete in der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung und übernahm verschiedene Lehraufträge für Medienpädagogik und Jugendschutz. Von 1994 bis 2001 leitete Claudia Mikat die FSF-Geschäftsstelle und war Redaktionsmitglied der von der FSF herausgegebenen Fachzeitschrift tv diskurs. Bis 2018 verantwortete sie als Vorsitzende der Prüfausschüsse die Programmprüfungen der FSF und war Prüferin für die Filmwirtschaft bei der FSK. Sie veröffentlicht regelmäßig Beiträge zum Jugendmedienschutz und zur Prüfpraxis der FSF.

Martin Drechsler

Martin Drechsler ist Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM). Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und der FernUniversität Hagen sowie dem Referendariat arbeitete er als Rechtsanwalt. Bei der FSM ist er seit 2008 zuständig für rechtliche und technische Fragen des Jugendmedienschutzes und u.a. verantwortlich für das Altersklassifizierungssystem, die Beratung der FSM-Mitglieder bei der Kennzeichnung von Webinhalten, die internationale Vernetzung sowie Vorträge über Jugendschutz und Medienrecht.

Prof. Dr. Markus Appel

Markus Appel (Dr. phil., Universität zu Köln) ist Psychologe und Medienforscher. Er hat den Lehrstuhl für Kommunikationspsychologie und neue Medien an der Uni Würzburg inne. Er beschäftigt sich u.a. mit den Auswirkungen klassischer und digitaler Medien auf das Weltbild der Nutzerinnen und Nutzer. Seine Arbeiten zu dem Themengebiet sind in führenden internationalen Fachzeitschriften erschienen. Im letzten Jahr hat er den Band Die Psychologie des Postfaktischen: Über Fake News, „Lügenpresse", Clickbait & Co. veröffentlicht.

David Assmann

David Assmann ist freier Filmkritiker, Filmemacher und Filmwissenschaftler. Er ist Mitglied des Auswahlgremiums von Berlinale Generation, der Jury für den Kinder & Jugend Grimme-Preis und seit 2018 Prüfer bei der FSF.

Prof. Dr. Jürgen Nielsen-Sikora

Dr. Jürgen Nielsen-Sikora ist seit 2018 Apl. Prof. für Bildungsphilosophie an der Universität Siegen. Dort leitet er das Hans Jonas Institut und ist zugleich Vorsitzender des Hans Jonas-Zentrums (ehemals FU Berlin). Er studierte Philosophie, Pädagogik und Psychologie an der Universität zu Köln. Aktuell arbeitet er an einem Band mit dem Titel Wem folgen? Über Wandel, Sinn und Aktualität von Vorbildern (gem. mit André Schütte).

Vera Linß

Vera Linß ist Medienjournalistin beim Deutschlandradio und beim ARD-Hörfunk und schreibt für die Fachpresse. Seit 2007 moderiert sie die Sendung Breitband – Medien und digitale Kultur im Deutschlandfunk Kultur, die sie auch redaktionell mitverantwortet. Außerdem moderiert sie Veranstaltungen und rezensiert regelmäßig Mediensachbücher im Deutschlandradio Kultur.

Bilder für die Presse

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Die Veranstaltungsreihe medien impuls findet in Kooperation mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) statt.