Digitale Streitkultur. Welche Regeln brauchen wir?

Sommerforum Medienkompentenz und medius-Preisverleihung am 13. Juni 2019

Demokratie braucht Streit. Nur im offenen Diskurs können gegensätzliche Positionen sichtbar und Argumente ausgetauscht, begründet und abgewogen werden. Erst im Wettstreit der Argumente ist freie Meinungsbildung möglich. Leidenschaftliches Streiten ist in demokratischen Kontexten daher unabdingbar und sogar erwünscht  – sofern grundsätzlicher Konsens über die dabei geltenden Regeln besteht, d.h., dass der Streit fair geführt wird und die Rechte der jeweils Anderen gewahrt bleiben. Im digitalen Raum erleben wir derzeit oft das Gegenteil. In einem emotional aufgeladenen Schlagabtausch ist es gar nicht gewollt, auf andere Meinungen einzugehen oder sie gar abzuwägen. Vielmehr sollen die Anderen mundtot gemacht werden. Empörung und Abgrenzung statt Meinungsaustausch. Beleidigung und Diffamierung statt Diskussion.

Brauchen wir also eine neue Streitkultur, eigene Regeln für die Diskurse im digitalen Raum? Das Sommerforum Medienkompetenz diskutierte mit seinen Gästen darüber, was eine gute digitale Streitkultur ausmacht, inwiefern technische Tools und Funktionen den Diskurs befeuern oder auch stören können und wie nicht nur jungen Nutzern sozialer Medien die Bedeutung von Meinungsvielfalt und produktivem Streit vermittelt werden kann.

Die Veranstaltung fand in den Räumlichkeiten von ALEX Berlin statt. Wenn Sie die Veranstaltung verpasst haben, sie steht im FSF-YouTube-Kanal zum Abruf bereit:

Begrüßung

Markus Beckedahl ist Gründer und Chefredakteur von netzpolitik.org. Er ist Partner bei newthinking communications GmbH, Gründer der re:publica und Mitglied im Medienrat der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg. 

Claudia Mikat ist Geschäftsführerin der FSF. Sie studierte Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik, arbeitete in der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung und übernahm verschiedene Lehraufträge für Medienpädagogik und Jugendschutz. Von 1994 bis 2001 leitete Claudia Mikat die FSF-Geschäftsstelle und war Redaktionsmitglied der von der FSF herausgegebenen Fachzeitschrift tv diskurs. Bis 2018 verantwortete sie als Vorsitzende der Prüfausschüsse die Programmprüfungen der FSF und war Prüferin für die Filmwirtschaft bei der FSK. Sie veröffentlicht regelmäßig Beiträge zum Jugendmedienschutz und zur Prüfpraxis der FSF.

Input

Dr. Christoph Neuberger ist Professor für Kommunikationswissenschaften mit Schwerpunkt „Medienwandel“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Arbeitsschwerpunkte sind der digitale Wandel von Öffentlichkeit und Journalismus sowie Medienqualität. Neuberger studierte an der Katholischen Universität Eichstätt Journalistik (Diplom), Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie. Er promovierte und habilitierte sich in Eichstätt. 2001/02 vertrat er eine Professur für Journalistik an der Universität Leipzig. Von 2002 bis 2011 war er Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Talk

Thore Barfuss ist Ressortleiter Community & Social bei WELT. Auf seinem Weg dahin bekleidete er Redakteursstellen bei The European, Cicero und WELT. Dort war er zuletzt Managing Editor Online im Ressort Nachrichten.

David Lanius ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am DebateLab des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und derzeit Fellow am Weizenbaum Institut in Berlin. Er studierte Philosophie und Logik in München, Madrid und Amsterdam und promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin über strategische Unbestimmtheit im Recht. Sein derzeitiger Forschungsschwerpunkt liegt in der Rekonstruktion und Analyse rechtspopulistischer Argumente in aktuellen politischen Debatten, der Definition des Konzepts und der gesellschaftlichen Bewertung des Phänomens von Fake News sowie der Entwicklung einer normativen Theorie öffentlicher Debatte. Lanius leitet gemeinsam mit Romy Jaster das Forum für Streitkultur mit dem Ziel, die Qualität von Streitgesprächen und Debatten zu verbessern.

Dr. Nicole Rieber arbeitet seit 2013 bei der Berghof Foundation und ist Online-Redakteurin bei www.frieden-fragen.de sowie Projektmanagerin beim Projekt Streitkultur 3.0. Zuvor war sie Koordinatorin einer Forschergruppe an der Universität Tübingen sowie Dozentin beim Internationalen Bund. Rieber studierte Psychologie und Medienwissenschaften.

Moderation

Die meisten kennen Teresa Sickert wahrscheinlich aus dem Radio. Dort hat sie ihre journalistischen Wurzeln und berichtet über Netztrends und die Chancen und Risiken des digitalen Wandels für Journalismus und Gesellschaft. Aktuell moderiert Teresa Sickert "Breitband" – das Magazin für Medien und digitale Kultur im Deutschlandfunk Kultur sowie Podcastformate für Audible und Spiegel-Online. Eines ist aber über alle Zeit und Medien gleich geblieben: Der Wunsch, den Menschen die digitale Welt, und damit unsere Zukunft, ein Stückchen näherzubringen.

 


 

Preisverleihung

Im Rahmen des Sommerforums wurde der medius 2019 verliehen.

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