Neugier und Zweifel – Informationskompetenz im Digitalen

Sommerforum Medienkompetenz und medius-Preisverleihung am 18. Juni 2020

Wir sind von einer Fülle digitaler Informationskanäle umgeben, die die Rolle der klassischen Medien als einordnende und kuratierende Instanz einschränken. Durch den Wegfall ihrer Gatekeeper-Funktion erscheinen ihre Inhalte nunmehr als ein Angebot unter vielen. User Generated Content und andere Inhalte auf Plattformen und in sozialen Medien werden mithilfe von Algorithmen sortiert und anhand des Nutzerverhaltens und der jeweiligen Auswahl an Nachrichten und Informationen personalisiert. Darüber hinaus werden die Nutzerinnen und Nutzern selbst zu Inhalte-Produzentinnen und -Produzenten:  Sie kommentieren, sharen, liken und retweeten. Das alles bringt neue Anforderungen an unsere Informations- und Nachrichtenkompetenzen mit sich. Als „digitale Bürgerinnen und Bürger“ brauchen wir heute Wissen und Fertigkeiten aus ganz verschiedenen Bereichen, müssen u.a. die Glaubwürdigkeit von Informationen checken, im Ansatz verstehen, wie digitale Plattformen funktionieren und wissen, welche Mechanismen und Logiken hinter digitalen Öffentlichkeiten stehen. Vor allem aber müssen wir zwei zentrale Fähigkeiten besitzen, um uns „im Digitalen“ zurechtzufinden: Wir müssen neugierig sein und zweifeln!

Das diesjährige Sommerforum Medienkompetenz widmete sich der Frage, welche Kompetenzen man braucht, um sich „im Digitalen“ kompetent zu informieren. Welche Rolle spielt dabei die Neugier? Was motiviert Menschen Informationen zu suchen, wieso lernen sie? Und bewahrt uns das Zweifeln, das Hinterfragen, die Skepsis vor Desinformation? Oder gibt es technische Hürden, an denen unsere Informationskompetenz scheitern muss? Neben all diesen Fragen gab es auf dem diesjährigen Sommerforum auch einen Austausch darüber, was Medienpädagoginnen und -pädagogen dazu beitragen können, Kinder und Jugendliche kompetent für ihren durch digitale Informationen bestimmten Alltag zu machen.

 

Input: Mit Informationen kompetent umgehen

Dr. Anna-Katharina Meßmer ist Projektleiterin für digitale Nachrichten- und Informationskompetenz bei der Stiftung Neue Verantwortung. Zuvor war sie Leiterin der Geschäftsstelle des Forschungsinstituts für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) und verantwortete als Lead Strategic Development die strategische Partnerentwicklung und Sales bei dem Meinungsforschungs-Startup Civey. Die promovierte Soziologin ist Mit-Initiatorin von #aufschrei. Als Wissenschaftlerin verantwortete Meßmer beim Institut für Medien- und Kommunikationspolitik an der TU Berlin und an der Ludwig-Maximilians-Universität München Forschungsprojekte zu politisch-gesellschaftlichen Fragestellungen.

Input: Desinformation durch Medien

Dr. Martin Steinebach ist Honorarprofessor der TU Darmstadt. Er studierte Informatik an der TU Darmstadt und promovierte zum Doktor Ingenieur im Fachbereich Informatik mit dem Thema Digitale Audiowasserzeichen. Mit seinen Arbeiten am ForBild-Projekt erzielte Herr Steinebach gemeinsam mit seinen Kollegen den zweiten Platz beim IT-Sicherheitspreis 2012 der Horst-Görtz Stiftung. Er leitet zahlreiche Projekte zu IT-Forensk und Big-Data-Sicherheit für Industrie und die öffentliche Hand.

Talk

Simon Hurtz war als Redakteur der Süddeutschen Zeitung vier Jahre lang für digitale Themen zuständig. Jetzt schreibt er als freier Autor über soziale Medien, Technologie und IT-Sicherheit und versucht, das Internet so zu erklären, dass seine Eltern es verstehen – meist für die SZ, manchmal für andere Medien. Gemeinsam mit Martin Fehrensen analysiert er beim Social-Media-Watchblog, wie die großen Plattformen Medien, Politik und Gesellschaft verändern. Als Dozent unterrichtet er an Journalistenschulen und Universitäten und gibt in Workshops mit Schülerinnen und Schülern Einblicke in seine Arbeit als Journalist.

Dr. Carola Richter ist Professorin für Internationale Kommunikation an der Freien Universität Berlin. Sie ist Direktorin des Center for Media and Information Literacy (CeMIL) am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. In Forschung und Lehre beschäftigt sie sich u.a. mit der Repräsentation von Migrant/-innen und Muslim/-innen in den Medien und leitet ein Projekt zur Förderung von Media Literacy in Kooperation mit zehn arabischen Universitäten. 

Prof. Dr. Kai Sassenberg ist Leiter der Arbeitsgruppe Soziale Prozesse des IWM und Professor an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe beschäftigt er sich mit den Einflüssen der Merkmale sozialer Beziehungen auf den medienvermittelten Wissensaustausch und die Zusammenarbeit. Er studierte Psychologie an der Universität Mannheim und promovierte an der Universität Göttingen mit einer Arbeit zur Wirkung von Anonymität auf sozialen Einfluss bei computervermittelter Kommunikation.

Moderation

Die meisten kennen Teresa Sickert wahrscheinlich aus dem Radio. Dort hat sie ihre journalistischen Wurzeln und berichtet über Netztrends und die Chancen und Risiken des digitalen Wandels für Journalismus und Gesellschaft. Aktuell moderiert Teresa Sickert "Breitband" – das Magazin für Medien und digitale Kultur im Deutschlandfunk Kultur sowie Podcastformate für Audible und Spiegel-Online. Eines ist aber über alle Zeit und Medien gleich geblieben: Der Wunsch, den Menschen die digitale Welt, und damit unsere Zukunft, ein Stückchen näherzubringen.

 

Wer die Veranstaltung im Livestream verpasst hat, kann sich den Mitschnitt über den YouTube-Channel von ALEX Berlin anschauen:

 

 

Das Sommerforum Medienkompetenz ist eine Veranstaltungsreihe von FSF und Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) in Kooperation mit ALEX Berlin.