20 Jahre FSF

Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen feiert 20-jähriges Jubiläum

Einerseits kommt es einem vor wie gestern, andererseits wie eine Zeit aus einer fremden Medienlandschaft: Vor 20 Jahren, genauer gesagt am 4. April 1994, nahm die Freiwillige SelbstkontrolleFernsehen (FSF) ihre Arbeit auf.

Seit Beginn der1990er-Jahre verging kein Tag, ohne dass Politiker, Wissenschaftler oder besorgte Pädagogen eine gefühlte ständige Zunahme von Darstellungen brutaler Gewalt oder expliziter Sexualität beklagten. Eine völlig verrohte Jugend mit einem verantwortungslosen, ausschließlich auf sexuellen Lustgewinn orientierten Leben wurde als Konsequenz dieser normativen Entgrenzung prognostiziert. Die damals für Jugend zuständige Bundesministerin Dr. Angela Merkel forderte in der Sendung Der heiße Stuhl eine Verschärfung der Jugendschutzgesetze, insbesondere ein Ausstrahlungsverbot für indizierte Filme. Vor diesem Hintergrund entschlossen sich die privaten Sender im November 1993, nach dem Vorbild der FSK, die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) zu gründen.

Inzwischen hat die FSF über 20.000 Fernsehsendungen geprüft (Juni 2014), zahlreiche Debatten über die unterschiedlichsten neuen Fernsehformate geführt und einige Novellen des Jugendschutzrechts überstanden. Gleichzeitig hat sie den Austausch mit allen gesellschaftlich relevanten Kräften, insbesondere auch der Wissenschaft, gesucht. Vieles wurde erreicht, aber angesichts der rasanten technologischen Entwicklung gibt es immer wieder neue Herausforderungen.

Das Jubiläumsjahr fällt in eine Zeit, in der erneut eine Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages diskutiert wird. Am 24. Juni 2014 schauten wir zurück und bewerteten das bisher Erreichte, diskutierten über das gegenwärtige Jugendschutzsystem und die zukünftige medialen Entwicklung.

Begrüßung

Prof. Joachim von Gottberg ist Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF). Nach seinem Studium der Germanistik und Theologie (Lehramt) baute er in Hannover die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen auf und beschäftigte sich neben Suchtprävention und Jugendkriminalität mit der Wirkung von Medien. Ab 1985 war er als Ländervertreter bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) tätig, bis er 1994 die Geschäftsführung der FSF übernahm. Er ist Chefredakteur der Fachzeitschrift tv diskurs. Seit Dezember 1999 ist von Gottberg im Vorstand des Deutschen Kinderhilfswerks und seit April 2006 Honorarprofessor für das Fach Medienethik/Medienpädagogik an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF in Potsdam-Babelsberg.

Printversion in tv diskurs 69 (3/2014)

Der Blick von außen: Visionen für einen Jugendschutz der Zukunft

Wim Bekkers ist Direktor des niederländischen Instituts für die Klassifizierung von audiovisuellen Medien (NICAM). Nach seinem Studienabschluss arbeitete der Politik- und Massenkommunikationswissenschaftler von 1978 bis 2000 für die niederländische öffentlich-rechtliche Rundfunkorganisation (NOS). Später leitete er dort die Abteilungen Medienforschung, Dokumentation & Bibliothek sowie Imagebildung. Von 1996 bis 1999 war Bekkers an der Universität von Nimwegen als Dozent für Kommunikationswissenschaft tätig. Zwischen 1998 und 2000 übernahm er zusätzlich die Funktionen des stellvertretenden Vorsitzenden und dann Vorsitzenden der EBU-Arbeitsgruppe "Group of European Audience Researchers. Im Rahmen seiner Tätigkeit bei der NICAM ist er maßgeblich beteiligt an Aufbau und Weiterentwicklung des Kijkwijzer- und PEGI-Systems.

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Aufsicht, Freiwillige Selbstkontrolle, Medienpädagogik – Aufgaben für die digitale Revolution

Thomas Krüger ist Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Er studierte Theologie und war anschließend Vikar. Seine politische Karriere begann 1989 als eines der Gründungsmitglieder der Sozialdemokraten in der DDR (SDP). Bis 1990 blieb er deren Geschäftsführer in Berlin (Ost) und Mitglied der Volkskammer in der DDR. In der Zeit zwischen 1990 und 1991 bekleidete er die Ämter des Ersten Stellvertreters des Oberbürgermeisters und Stadtrat für Inneres beim Magistrat Berlin. Als Mitglied des Deutschen Bundestages war er in den Jahren 1994 bis 1998 aktiv. Seit 1995 ist Krüger u.a. auch Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes und seit 2003 Mitglied der Kommission für Jugendmedienschutz.

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Konvergente Medien – divergente Regulierung Eine Zustandsbeschreibung der deutschen Medienpolitik

Dr. Tobias Schmid ist Executive Vice President Governmental Affairs bei der RTL Group. Seit 2005 leitet er ebenfalls den Bereich Medienpolitik bei der Mediengruppe RTL Deutschland. Der promovierte Jurist verantwortete in der Zeit von 1999 bis 2004 als General Counsel die Bereiche Recht und Medienpolitik, Personal, interne Revision und Öffentlichkeitsarbeit bei der Home Shopping Europe AG. Von 2005 bis 2012 war Schmid Vizepräsident und Vorsitzender des Fachbereichs Fernsehen und Multimedia beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT). 2012 übernahm er die Funktion des Vorstandsvorsitzenden des VPRT.

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20 Jahre fern(ge)sehen: Höhe- und Tiefpunkte aus der Prüfpraxis

Claudia Mikat ist seit 2001 die Leiterin der FSF-Programmprüfung und hauptamtliche Vorsitzende in den Prüfausschüssen. Sie studierte Erziehungswissenschaften/Freizeit- und Medienpädagogik an der Universität Göttingen. Danach arbeitete sie als freiberufliche Medienpädagogin, als Dozentin und in der Erwachsenenbildung. Von 1994 bis 2001 leitete sie die Geschäftsstelle der FSF.

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