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Jugendschutz bei Streamingdiensten

Das Schauen von Serien und Filmen auf Plattformen wird auch bei Kindern und Jugendlichen immer beliebter. Im Gegensatz zum linearen Fernsehen können die Inhalte zeit- und ortsunabhängig rezipiert werden und stehen ohne Downloadaufwand einfach per Aufruf (on demand) zur Verfügung. Auch für Streamingdienste gelten Jugendschutzbestimmungen, die Kinder und Jugendliche vor unangemessenen Inhalten schützen sollen.
 

Streamingdienste sind Telemedien

Streamingdienste sind Telemedien, die Audio- und Videodateien in elektronisch abrufbaren Datenbanken zur Verfügung stellen. Diese können ohne das Downloaden einer bleibenden Kopie abgespielt werden. Bekannte Streamingdienste sind beispielsweise Amazon Prime Video, Joyn oder Netflix.

Auch Fernsehsender stellen digitale Programme zur Verfügung, die on demand gestreamt werden können. Hierbei wird zwischen Free-TV und Pay-TV unterschieden. Als bekannter deutscher Pay-TV-Anbieter ist Sky zu nennen, auf dessen Plattform unter anderem verschiedene Serien und Filme angeboten werden.
 

JMStV gilt auch für Streamingdienste

Für Rundfunk- und Onlineanbieter von Streamingdiensten bildet der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) die rechtliche Beurteilungsgrundlage. Streamingangebote, die gänzlich oder im Wesentlichen den gleichen Inhalt wie Filme auf Bildträgern aufweisen, müssen in ihrem Angebot deutlich auf eine Alterskennzeichnung nach dem Jugendschutzgesetz hinweisen (§ 12 JMStV).

Filme und Serien, die der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) nicht zur Prüfung vorgelegen haben, wie beispielsweise Eigenproduktionen, können durch die jeweiligen Anbieter mit einer Altersstufe versehen werden. Welche Bewertungskriterien hierfür herangezogen werden und ob die Anbieter selbst oder Drittanbieter (z.B. die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen [FSF]) die Altersfreigaben festlegen, ist nicht immer ersichtlich. Der Hinweis hierauf ist gesetzlich nicht vorgeschrieben.
 

Sendezeitbeschränkung im Internet

Wie im linearen Fernsehen gelten auch online konkrete Vorschriften zur Sendezeit, die sich nach den Altersfreigaben richten. Ohne zusätzliche Jugendschutzvorrichtungen dürfen Streaminganbieter Filme mit einer Freigabe ab 16 Jahren ausschließlich zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr sowie Filme mit einer 18er-Freigabe zwischen 23.00 Uhr und 6.00 Uhr zum Abruf verfügbar machen.
 

Jugendschutzprogramme

Die Zeitbeschränkung gilt in dieser Form nicht, wenn das jeweilige Angebot mit einem Alterskennzeichen versehen ist, das von geeigneten Schutzprogrammen auf den Sichtungsmedien ausgelesen und der Inhalt entsprechend gefiltert werden kann. Diese Möglichkeit nimmt beispielsweise die Plattform Joyn wahr. Dort ist die Website für das frei zugängliche Angebot (AVoD) mit dem Alterslabel „ab 16“ von JusProg versehen. Das bedeutet zum einen, dass dort keine Inhalte angeboten werden, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind. Zum anderen sind auf den Geräten der Nutzerinnen und Nutzer, auf denen eine niedrigere Altersstufe als „ab 16“ hinterlegt ist, die Inhalte nicht abrufbar. 18er-Inhalte gibt es nur auf Joyn PLUS+, der kostenpflichtigen Abonnementplattform. Dort muss man sich mit einer Altersangabe registrieren (siehe Jugendschutz bei Joyn PLUS+).

Technische Mittel

Anbieter können alternativ zu altersgebundenen Zeitbeschränkungen oder Jugendschutzprogrammen mithilfe technischer oder sonstiger Mittel sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche keinen Zugang zu Angeboten haben, die für ihre Altersstufe nicht freigegeben oder angemessen sind (vgl. § 5 Abs. 3 Ziff. 1 JMStV). Dies kann eine digitale Sperre sein, die erst durch Eingabe einer Jugendschutz-PIN aufgehoben wird.

Beim Streamingangebot von Sky (Sky Ticket) sind Inhalte mit einer Altersfreigabe ab 16 und ab 18 Jahren tagsüber, d. h. zwischen 6.00 und 20.00 Uhr mit der Jugendschutz-PIN geschützt. Dies gilt auf den linearen Kanälen auch für Inhalte ab 12 Jahren, die für unter 12‑Jährige als entwicklungsbeeinträchtigend  bewertet werden. Mit der individuellen Jugendschutz-PIN können volljährige Nutzerinnen und Nutzer nach einer erfolgreichen Altersprüfung PIN-geschützte Inhalte freigeben. Das Jugendschutzsystem wurde von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) genehmigt.
 

Jugendschutzbeauftragte

Der JMStV (§ 7 JMStV) sieht vor, dass Rundfunk- und Telemedienanbieter Jugendschutzbeauftragte beschäftigen, die sie als Ansprechpartner in jugendschutzrechtlichen Fragen hinsichtlich Angebotsherstellung, Planung sowie Gestaltung beraten. Kleinere Anbieter, die weniger als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und weniger als zehn Millionen Aufrufe im Monat haben, können die Aufgaben der Jugendschutzbeauftragten an eine Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle abgeben.
 

Jugendschutz gilt für Anbieter mit Sitz in Deutschland

Die beschriebenen Regelungen sind bindend für alle Telemedien und damit Streamingdienste, die einen Sitz in Deutschland haben. Für Angebote aus dem Ausland sind diese Vorschriften nicht bindend, bei Verstößen drohen also keine Sanktionen. Dies ist aus Sicht des deutschen Jugendmedienschutzes problematisch, da Streamingdienste wie Amazon Prime Video oder Netflix sehr beliebt sind und häufig genutzt werden. Die Verantwortung für eine kindgerechte Plattformnutzung von internationalen Anbietern liegt als Konsequenz insbesondere in den Händen der Eltern.
 

Jugendschutz bei Amazon Prime Video

Amazon Prime Video ist ein Streamingangebot des Amazon-Konzerns. Die Anmeldung erfolgt über die Angabe einer E-Mail-Adresse und einer Bezahlmethode. Ein Geburtsdatum ist nicht gefordert. Für die Wiedergabe von 18er-Filmen verlangt Amazon Prime Video die Bestätigung der Volljährigkeit. Dies kann im Rahmen einer Altersverifikation durch Eingabe der Personalausweisnummer (Perso-Check) geschehen.

In den Prime-Video-Einstellungen können Eltern eine Kindersicherung einrichten und verwalten. Mithilfe einer Jugendschutz-PIN kann der Zugang für ein bestimmtes Alter (18, 16, 12, 6) geregelt werden. Die Jugendschutz-PIN kann gleichzeitig als Zugangsbedingung für kostenpflichtige Filme aktiviert werden.

Amazon Prime Video nimmt die jugendschutzbezogene Prüfung seiner Inhalte selbst vor. Partiell weisen die Filme und Serien Altersfreigaben auf, jedoch ohne Hinweis auf Urheber oder Bewertungskriterien.

(Stand: Oktober 2019)
 

Jugendschutz bei Joyn

Das frei zugängliche Angebot auf Joyn ist mit dem Jugendschutzprogramm JusProg mit dem Alterslabel „ab 16“ versehen. Damit werden auf Abspielgeräten, die das Jugendschutzprogramm installiert haben, Inhalte ohne Jugendfreigabe, also ab 18, nicht gezeigt.

Für die Anmeldung des zahlungspflichtigen Abonnements Joyn PLUS+ ist die Angabe eines Namens, einer E‑Mail-Adresse sowie einer Zahlungsmethode erforderlich. Auf Joyn PLUS+ erfolgt bei dem Versuch, 18er-Inhalte abzurufen, eine Altersverifikation über die Eingabe der Personalausweis-Nummer (Perso-Check) und der Vergabe einer Jugendschutz-PIN, die beim Abruf von 18er-Inhalten eingegeben werden muss.

Alle Inhalte auf Joyn haben eine Altersfreigabe, die als Detailangabe zum Film angezeigt wird.

(Stand: Februar 2020)
 

Jugendschutz bei Netflix

Für eine Anmeldung und Account-Erstellung auf der US-amerikanischen Streamingplattform Netflix müssen die Nutzerinnen und Nutzer gemäß der Nutzungsbedingungen mindestens 18 Jahre alt sein. Zwar ist es nicht erforderlich, das Alter mittels Personalausweisnummer zu bestätigen, jedoch muss eine Bezahlmöglichkeit angegeben werden. Über diese verfügen Minderjährige üblicherweise nicht. Persönliche Daten, die Netflix im Rahmen der Anmeldung fordert, sind die E-Mail-Adresse und eine Telefonnummer.

Wurde ein Netflix-Account erstellt, besteht die Möglichkeit, verschiedene Unterkonten einzurichten. Hierbei kann ein Kinderprofil erstellt werden, in dem wahlweise ausschließlich Filme und Serien mit den Altersfreigaben ab 0, 6 oder 12 Jahren gezeigt werden.

2018 hat sich Netflix der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia (FSM) angeschlossen. Im Zuge dessen wurde die Jugendschutzfunktion auf der Plattform von der FSM geprüft und als geeignetes Jugendschutzprogramm für geschlossene Systeme im Sinne des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags eingestuft.

Prinzipiell gilt auf Netflix, dass Inhalte mit einer Freigabe ab 18 Jahren erst durch Eingabe einer Jugendschutz-PIN abgespielt werden können. Diese wird meist im Zuge der Registrierung eingerichtet. Unter dem Punkt „Kindersicherung“ kann eine Jugendschutz-PIN für Altersstufen unter 18 Jahren eingestellt werden. Die PIN dient für den gesamten Account als Schutzfunktion und muss in allen Profilen jedes Mal bei Titeln eingegeben werden, die die festgelegte Altersstufe überschreiten. Zusätzlich können einzelne Unterkonten sowie konkrete Serien und Filme mit einer individuellen Altersfreigabe versehen werden.

Das Prüfen der Filme und Serien auf Jugendschutzrelevanz sowie das Festlegen von Altersfreigaben nimmt Netflix selbst vor. Wenn eine FSK-Alterseinstufung vorhanden ist, wird diese von Netflix übernommen.

(Stand: Oktober 2019)
 

Jugendschutz bei Sky Ticket

Beim Abschluss eines Sky-Ticket-Abonnements für fiktionale Inhalte werden bei der Registrierung Name, Adresse und Geburtsdatum sowie die E-Mail-Adresse benötigt. Die erforderliche Volljährigkeit wird per Schufa-Alters-Check oder Perso-Check geprüft. Wurde die Volljährigkeit bestätigt, erhalten die Kunden eine Sky-PIN für das Login und die Verwaltung der Daten sowie eine individuelle Jugendschutz-PIN, die die Freigabe von vorgesperrten 12er-, 16er- und 18er-Inhalten ermöglicht.

Unter Eingabe der Jugendschutz-PIN können 16er- und 18er-Inhalte zu jeder Tageszeit abgerufen werden. Sky-PIN und Jugendschutz-PIN lassen sich ebenfalls vereinheitlichen, sodass nur noch eine Zahlenkombination eingegeben werden muss. Alle Inhalte der Sky-Sender und ‑Plattformen werden vorab unter jugendschutzrechtlichen Gesichtspunkten bewertet und mit einer Altersfreigabe versehen. Die Festlegung der Altersfreigaben erfolgt dabei durch die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) oder die Jugendschutzabteilung von Sky. Die Bewertung der Inhalte und die Vergabe einer bestimmten Altersfreigabe werden unter Berücksichtigung der im deutschen Jugendschutzrecht genannten Risikodimensionen: Ängstigung, Gewaltbefürwortung/Gewaltverharmlosung und sozialethische Desorientierung getroffen. Die jeweiligen Altersfreigaben lassen sich online neben oder unterhalb des Inhalts einsehen.

(Stand: Februar 2020)